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Automotive Forum Zwickau, 10. und 11.11. Ich bin dabei, du auch?

Wenn du in der Autoindustrie arbeitest und es nach Zwickau schaffst: Dieses Event solltest du auf dem Schirm haben.

2 Tage, rund 300 Entscheider. Auf dem Programm: China-Speed in der Fahrzeugentwicklung, die Lieferkette und der Druck auf den Standort.

Mit dabei:

  • Daniela Cavallo, Betriebsratschefin von VW

  • Jörg Astalosch, CEO der IAV GmbH

  • und ich, am 2. Tag im Publikumsdialog zur Zukunft der Autoindustrie

Das Automotive Forum Zwickau gibt es zum 30. Mal. Bewusst kompakt, damit du schnell und leicht in Kontakt kommst.

Herzlich willkommen zur 130. Ausgabe von Der Autopreneur.

Wozu eigentlich dieser ganze Software-Schnickschnack im Auto? Und wann geht das wieder weg?

Das höre ich oft.

Dahinter steckt eine Annahme, die besonders bei uns in Deutschland verbreitet ist. Software im Auto: das ist die Karaoke-App. Ein großer Screen. Und ein etwas zu dummer Sprachassistent.

Alles nett. Aber nichts davon macht ein Auto aus.

Genau da liegt der Denkfehler. Und er kostet uns gerade mehr, als den meisten klar ist.

Wie gut die Hersteller bei den Zukunftstechnologien wirklich aufgestellt sind, misst einmal im Jahr eine Rangliste: der Gartner Digital Automaker Index. Und jetzt gibt es die Ergebnisse für 2026.

Heute schauen wir uns an:

  • Was Software im Auto wirklich ist

  • Warum ohne Batterie keine KI ins Auto kommt

  • Und wo die Deutschen dabei stehen

KI jagt Software jagt das Auto

Was der Gartner Digital Automaker Index misst

Kurz die Basics: Gartner ist eines der größten Analystenhäuser der Welt. Einmal im Jahr bewerten sie 24 Autobauer. Und zwar beides: die Technologie im Fahrzeug und die Organisation dahinter.

Insgesamt sind es 9 Kategorien. Darunter:

  • Elektromobilität und die Elektronik-Architektur im Fahrzeug

  • Autonomes Fahren und seit diesem Jahr auch künstliche Intelligenz

  • Unternehmenskultur, Führung und Talent

Die digitalsten Autobauer 2026 (Gartner)

Die digitalsten Autobauer 2026 (Gartner)

Was wir sehen:

  • Tesla führt mit deutlichem Abstand. Und das, seit es diesen Index gibt

  • Auf den ersten 8 Plätzen steht kein einziger etablierter Autokonzern. Alle 8 sind mit dem Elektroauto, der Batterie oder mit Software groß geworden

  • Mercedes ist bester Europäer auf Platz 11, BMW folgt auf 14, VW auf 16. 2024 stand BMW noch auf Platz 10

Was mir dabei auffällt: An der Spitze hat sich in 3 Jahren fast nichts bewegt. Die Ergebnisse wirken fast ein bisschen langweilig. Aber ich glaube: Genau das ist die Nachricht.

Meine Key Takeaways der letzten Jahre gelten also weiter:

Gartner meint dazu: „Die Hersteller mit der höchsten organisatorischen Reife verfügen heute bereits über die fortschrittlichste Fahrzeugtechnologie. Unsere Daten zeigen das seit Jahren sehr klar."

Die Besten in jeder Kategorie, Gartner Digital Automaker Index 2026

Die Besten in jeder Kategorie (Gartner)

Was ist Software im Auto überhaupt?

In der Branche sprechen wir vom Software-defined Vehicle. Auf Deutsch: das softwaredefinierte Auto.

Der Grundgedanke ist gar nicht technisch. Es geht darum, wie ein Auto entwickelt wird: Denkst du es von der Software her oder von der Hardware?

Die Branche macht das an 4 Dingen fest:

  1. Zonale Architektur: Im klassischen Auto steckt in fast jedem Bauteil ein eigener kleiner Computer. Über 100 solcher Steuergeräte sind normal. Im softwaredefinierten Auto werden daraus eine Handvoll, je einer pro Fahrzeugbereich

  2. Over-the-Air-Updates: Früher musste das Auto für ein Software-Update in die Werkstatt. Heute kommen die Updates übers Internet. Und zwar fürs ganze Fahrzeug. Nicht nur Navi und Bildschirm, sondern auch Antrieb, Fahrwerk und Assistenzsysteme

  3. Software und Hardware sind getrennt: Früher war die Software fertig, wenn das Auto vom Band lief. Ab da wurde das Auto nur noch älter. Heute bekommt es auch nach dem Kauf neue Funktionen. Weil die Software nicht mehr an der Hardware hängt

  4. Wiederverwendbare Funktionen: Früher wurde Software meist für ein einzelnes Modell oder eine Baureihe entwickelt und ließ sich nicht auf andere übertragen. Heute läuft dieselbe Software über das ganze Portfolio

Bleibt die Frage: Wozu brauchen wir das alles überhaupt?

Warum Software im Auto mehr ist als Schnickschnack

In Deutschland hören wir dazu oft:

„Ich brauche den ganzen Schnickschnack nicht. Ich will von A nach B kommen."

„Bei den Apps und Spielereien sind die Chinesen halt besser. Karaoke im Auto. Ansonsten bauen wir die besseren Autos."

Das ist nachvollziehbar. Wir halten Software für ein Add-on. Für Ausstattung, die man dazubestellt oder eben nicht.

Tatsächlich steckt Software heute in fast jeder Funktion des Autos. Die Sitzverstellung ist Software. Der Notbremsassistent auch.

Der größere Punkt liegt aber davor: Wie ein Auto entsteht.

Ein klassischer Autobauer ist im Kern ein Integrator. Er entwirft das Auto. Hunderte Zulieferer bauen es. Jeder liefert sein Teil. Und in jedem steckt eines dieser Steuergeräte. Mit eigener Software.

Dazu kommt: Eine einzelne Funktion sitzt fast nie in nur einem Steuergerät. Sie zieht sich über viele, von verschiedenen Zulieferern.

Das führt zu einer enormen Produktkomplexität. Jede Änderung muss zwischen all diesen Teilen abgestimmt werden. Software-Updates werden damit extrem aufwendig. Oder fast unmöglich.

Das softwaredefinierte Auto löst genau diese Komplexität auf.

Und damit löst es die Probleme, mit denen die deutsche Autoindustrie heute am stärksten kämpft:

  • Die Kosten: Weniger Teile heißt weniger Abstimmung. Und weniger Zulieferer, die in der Kette jeweils ihre Marge nehmen

  • Die Entwicklungszeit: Unsere Achillesferse. Die neuen Hersteller brauchen für ein Auto die halbe Zeit. Aus demselben Grund: Wo weniger abgestimmt werden muss, kann auch weniger schiefgehen. Und es geht schlicht schneller

  • Die Anpassung an die Märkte: Der teuerste Punkt von allen

Was wir uns oft erzählen: Das Weltauto funktioniert nicht mehr. Kunden in China wollen was anderes als Kunden in Europa. Das stimmt.

Nur ziehen wir oft den falschen Schluss daraus. Wir denken, wir bräuchten für jeden Markt ein eigenes Auto. Damit sind die Skaleneffekte weg. Und das kann sich niemand leisten.

Im softwaredefinierten Auto bleibt die Hardware dieselbe. Angepasst wird über die Software. Das ist viel günstiger.

Das Grundproblem ist also: Wir denken Software oft noch als Ausstattung. Dabei ist sie inzwischen die Grundlage des Produkts.

Aber jetzt kommt der wichtigste Punkt.

Batterie, Software und KI bauen aufeinander auf

Ich beschreibe die Transformation ja immer als 3 technologische Wellen: Batterie, Software, künstliche Intelligenz.

Das Wichtige daran: Diese Wellen stehen nicht unabhängig nebeneinander. Jede baut auf der vorherigen auf. Und jede ist die Voraussetzung für die nächste.

Jede Welle braucht die vorherige

Jede Welle braucht die vorherige

Welle 1: Batterie

Auf den ersten Blick ist das nur ein anderer Antrieb. Aber die Batterie verschiebt alles.

Der Verbrennungsmotor war der Burggraben unserer Industrie. Er war so komplex, dass er als Markteintrittsbarriere gewirkt hat.

Wer neu in den Markt wollte, musste 2 Dinge auf einmal schaffen:

  • Diese Komplexität beherrschen

  • Und dann sofort in großer Stückzahl verkaufen, damit es sich überhaupt rechnet

Über Jahrzehnte sind deshalb fast keine neuen Autobauer entstanden. Der Markt war abgeschottet. Und wer schon drin war, hatte seine Ruhe.

Mit der Batterie ist dieser Burggraben ausgetrocknet. Die Komplexität ist weggefallen. Plötzlich konnte fast jeder ein Auto bauen.

Und genau das ist passiert: Auf einen Schlag ist eine ganze Generation an neuen Autobauern entstanden. Genau die stehen heute ganz oben auf der Liste von Gartner.

Und was uns daran richtig wehtut: Der Maschinenbau macht nicht mehr den Unterschied. Genau der Teil, der früher den Wert eines Autos ausgemacht hat.

Wer sich also noch unterscheiden will, muss es woanders tun.

Welle 2: Software

Der Unterschied entsteht jetzt in der Software.

Das Auto wird von der Software her gedacht. Das hab ich ja oben beschrieben.

Erfunden hat dieses Konzept Tesla. Und das ist kein Zufall.

Denn dafür musst du das Auto komplett neu denken. Und genau das tut ein etablierter Marktführer nicht.

Wer jahrzehntelang in einem stabilen Markt erfolgreich ist, denkt sein Erfolgsmodell nicht neu. Er repliziert es und optimiert es. Und er kannibalisiert sein eigenes Produkt nicht.

Es hat also eine neue Generation von Autobauern gebraucht. Und die ist erst mit dem Elektroauto entstanden.

Deshalb baut so gut wie niemand so eine Plattform für den Verbrenner. Welle 1 war die Voraussetzung für Welle 2.

Und auf dieser Software baut die nächste Welle auf.

Welle 3: Künstliche Intelligenz

Gemeint ist die KI, die das Auto steuert. Aus dem Fahrer wird ein Passagier.

In ein paar Jahren wird kaum noch jemand sein Auto selbst fahren. Höchstens noch als Hobby.

Und das funktioniert nur mit einem Elektroauto, das auf einer Software-Plattform steht.

Deshalb baut niemand Robotaxis als Verbrenner. Und keins ohne Software-Plattform.

Wer beim Auto der Zukunft mitspielen will, muss also alle 3 Wellen mitgehen.

Wo die Deutschen stehen

Spätestens seit der IAA 2025 wissen wir: Beim Elektroauto haben die Deutschen aufgeholt. Reichweite und Ladegeschwindigkeit sind jetzt auf Augenhöhe. Zwar ein paar Jahre zu spät, aber seis drum.

Welle 1: erledigt

Wo stehen wir bei Welle 2, der Software?

Konkret: Wer hat schon ein softwaredefiniertes Auto auf der Straße?

  • Mercedes hat 2025 mit dem CLA sein erstes softwaredefiniertes Auto auf den Markt gebracht

  • BMW ist dieses Jahr mit der Neuen Klasse nachgezogen

  • VW hat in Europa und den USA bis heute keins. Hier kauft VW die Architektur bei Rivian ein. Das erste Modell kommt 2027. In China fährt seit diesem Frühjahr eins auf der Architektur von XPENG

Seit 2025 gibt es also die ersten softwaredefinierten Autos deutscher Hersteller. Das ist erst mal gut.

Das Muster ist allerdings dasselbe wie bei der Batterie. Wir sind auch bei dieser Welle ein paar Jahre zu spät dran.

Teslas erstes softwaredefiniertes Auto kam 2017 auf den Markt. Das war vor 9 Jahren.

Inzwischen ist Tesla bei der 4. Generation. Die Deutschen sind gerade bei ihrer ersten.

Wer 4 Generationen gebaut hat, hat nicht nur das bessere Produkt. Er hat in dieser Zeit eine Organisation aufgebaut, die weiß, worauf es ankommt. Kinderkrankheiten ausgemerzt. Fehler abgestellt. Abläufe eingespielt. Und am Ende natürlich auch einen Vorsprung aufgebaut.

Wie holt man so einen Vorsprung auf?

Was die Altkonzerne jetzt tun

Die Antwort ist fast überall dieselbe: Sie kaufen sich die Kompetenzen und Technologien ein.

Letzte Woche hatte ich das bei VW ausführlich beschrieben. Stellantis macht es ganz ähnlich.

Das bewertet Gartner übrigens auch: ob ein Hersteller seine Technologie selbst entwickelt oder zukauft. Zugekauft zählt weniger.

Dabei ist Zukaufen nicht per se falsch. Es funktioniert, solange der Hersteller die Technologie selbst versteht. Im Idealfall besser als sein Lieferant.

Denn nur dann weiß er, was er da eigentlich einkauft. Und nur dann behält er die Kontrolle über sein eigenes Produkt.

Und genau da liegt das Risiko. Transformation kann man nicht kaufen.

Wer eine Produktgeneration nicht selbst baut, lernt auch nicht, was dabei schiefgeht. Er baut keine eigenen Kompetenzen auf. Und keine Organisation, die solche Produkte liefern kann.

Den Lernprozess lagert man damit an seinen Lieferanten aus. Der wird mit jeder Generation besser. Man selbst profitiert davon aber nicht.

Und dann verstärkt sich das selbst:

  • Die alte Organisation bremst die Technologie

  • Man fällt zurück und muss zukaufen

  • Dadurch wird es schwerer, gute Leute und Investitionen anzuziehen

  • Und die Organisation bleibt, wie sie ist

Eine Abwärtsspirale.

Mein Take

Ich glaube, das Problem ist größer als die Autoindustrie.

Wir sind in Deutschland nie richtig im Informationszeitalter angekommen. Dafür gibt es sicher viele Gründe. Auf 2 will ich eingehen:

  1. Wir hatten es schlicht nicht nötig. Unsere Industrien aus dem letzten Jahrhundert waren so stark, dass sie uns über Jahrzehnte getragen haben. Wer erfolgreich ist, muss sich nicht mit der Zukunft beschäftigen

  2. Wir sind eine technologieskeptische Gesellschaft. Neues probieren wir nicht aus. Wir warten erst mal ab, bis das Risiko weg ist. Das ist sogar vernünftig. Nur sind wir dann immer die Letzten

Das ging lange gut. Sehr lange sogar. Und irgendwie sind wir immer durchgekommen.

Bis jetzt.

Denn plötzlich tragen die alten Geschäftsmodelle nicht mehr. Und das nicht an einer Stelle, sondern gefühlt überall gleichzeitig.

Jetzt steht die Welt an der Schwelle vom Informations- ins KI-Zeitalter. Und wir hängen mit einem Fuß noch im Industriezeitalter.

Das trifft natürlich nicht nur die Autoindustrie. Aber uns eben auch.

Autobauer sind Maschinenbauer. Und wer dort heute entscheidet, hat seine Karriere in der alten Welt gemacht.

Wir reden zwar viel über Software. Aber wenn es hart auf hart kommt, fließt das Budget dann doch woanders hin.

Gartner sagt dazu: „Das Auto ist heute das technologisch komplexeste Konsumprodukt der Welt. Trotzdem werden die meisten Automobilhersteller noch immer nicht wie Technologieunternehmen geführt."

Und ein Technologieunternehmen ist heute nichts anderes als ein Software-Unternehmen.

Also zurück zur Frage vom Anfang: Wann geht diese Software im Auto wieder weg?

Gar nicht. Sie war nämlich immer mehr als die Karaoke-App. Nur haben wir das bis heute nicht so ganz verstanden.

Wer das nicht ernst nimmt, verliert kein Feature. Er verliert die Industrie.

PS: Am Dienstag gibt's das Thema ausführlicher auf YouTube und im Podcast.

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Warum verkaufen manche einfach an BMW, Mercedes oder Bosch, während andere jahrelang gegen die Wand rennen?

Es ist nicht das bessere Produkt. Es ist Zugang.

Die Automobilindustrie ist ein Closed Club. Du bist drin oder draußen.

Draußen heißt: 20.000 Euro für einen Messestand, 100 Visitenkarten, 3 echte Gespräche.

Drin heißt: 100.000 Entscheider folgen mir und vertrauen mir. Ich erzähle ihnen von dir. Und wenn sie was brauchen, rufen sie dich an.

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Das war’s für heute:

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Philipp Raasch

Bis zum nächsten Mal,
Philipp Raasch

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