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In deinen Gleitlagern steckt PFAS. Deine Kunden wollen das nicht mehr.

Genauer: die dünne PTFE-Schicht, die in vielen Lagern innen sitzt. PTFE gehört zu den PFAS. Die Autohersteller warten nicht, bis die EU über ein Verbot entscheidet. Du brauchst also ein Lager ohne PTFE.

igus fertigt Gleitlager komplett aus Kunststoff. PFAS-konform, ohne PTFE und ohne Schmierung. Aktuell gehen über 500 Mio. Stück an Automotive-Kunden.

Dazu machen sie ein Webinar am Mittwoch, 21.10., um 14 Uhr.

Danach weißt du:

  • ob deine Lager unter die PFAS-Regulierung fallen

  • was PFAS-konform und PTFE-frei unterscheidet

  • welche igus-Gleitlager beides heute schon erfüllen

Herzlich willkommen zur 133. Ausgabe von Der Autopreneur.

Diese Woche ist mal wieder einiges passiert:

  • VW kündigt 10 von 13 Tarifverträgen

  • Mercedes kündigt seine Regelung fürs Homeoffice und startet ein neues Abfindungsprogramm

  • BMW will jeden 5. Top-Manager durch KI ersetzen

  • Und VWs Softwaretochter CARIAD baut schon wieder ab: 1.000 von noch 4.300 Stellen

Wir wissen ja: Die deutsche Autoindustrie steckt in der Krise. Aber jetzt fühlt es sich an, als würden wir ein neues Level erreichen.

Was passiert hier gerade? Und worauf steuern wir zu?

Heute geht es um 3 Fragen:

  • Wie viele Jobs fallen noch weg? Und kommen sie zurück?

  • Warum zahlt Mercedes teils 500.000 €, damit Mitarbeiter gehen?

  • Und solltest du die Abfindung nehmen, wenn du die Chance hast?

Mann mit Umzugskiste vor einem großen Mercedes-Stern

Wie viele Jobs fallen in der deutschen Autoindustrie wirklich weg?

2019 haben rund 834.000 Menschen in der deutschen Autoindustrie gearbeitet (direkt bei Herstellern und Zulieferern).

Heute sind es noch 691.500. Über 140.000 Jobs weniger.

Und es geht immer schneller:

  • 2019 bis 2024: rund 12.000 Jobs weniger im Jahr

  • 2024 bis 2026: rund 41.000 Jobs weniger im Jahr

Haben wir das Schlimmste hinter uns? Dazu gibt es 2 Prognosen:

  1. Der VDA rechnet von 2025 bis 2035 mit weiteren 125.000 Jobs weniger. Das wären im Schnitt rund 13.000 weniger im Jahr

  2. Roland Berger rechnet für die nächsten 5 Jahre mit 200.000 Jobs weniger. Das sind 40.000 weniger im Jahr

Schaubild: Beschäftigte in der deutschen Autoindustrie seit 2019 und 2 Prognosen bis 2035

Autojobs in Deutschland: 2 Prognosen (Statistisches Bundesamt, VDA, Roland Berger)

Der VDA glaubt also: Das Schlimmste liegt hinter uns. Ich denke: Roland Berger liegt näher an der Realität.

Wenn es so weitergeht, verlieren wir gegenüber 2019:

  • bis 2030: 4 von 10 Jobs

  • bis 2035: mehr als jeden 2. Job

So oder so: Alle sind sich einig, dass die deutsche Autoindustrie weiter schrumpft. Die Frage ist nur, wie stark und wie schnell.

Aber erst mal: Warum verlieren wir diese Jobs überhaupt?

Warum die Jobs wegfallen

Roland Berger hat die rund 200.000 Jobs nach Ursache aufgeteilt.

Es sind 4 Gründe:

  • Rund 70.000: In Verwaltung und Entwicklung arbeiten mehr Leute, als gebraucht werden

  • Rund 60.000: Fabriken und Büros werden produktiver. Für dieselbe Arbeit braucht es weniger Leute

  • Rund 50.000: In Deutschland werden weniger Autos gebaut

  • Rund 25.000: Ein E-Auto braucht weniger Arbeit als ein Verbrenner

Jobabbau ist in der Autoindustrie eigentlich nichts Neues. Sie war schon immer zyklisch: In schlechten Jahren bauen die Firmen Jobs ab, in guten wieder auf.

Bei Mercedes sind Kollegen von mir mit Abfindung gegangen. Und waren nach 3 Jahren wieder da.

Ist es diesmal dasselbe?

Kommen die Jobs diesmal zurück?

Es gibt 2 Arten von Krise: Die eine geht vorbei. Die andere nicht.

Die Konjunkturkrise:

Die Wirtschaft läuft schlecht. Die Leute kaufen eine Zeit lang weniger Autos. Die Unternehmen müssen sparen und bauen Jobs ab.

Dann erholt sich die Wirtschaft. Die Käufer kommen zurück. Und mit ihnen die Jobs.

So war es zum Beispiel 2009. In der Finanzkrise ist der Absatz in vielen Ländern eingebrochen. Viele Firmen haben ihre Leute in Kurzarbeit geschickt, statt sie zu entlassen. Danach ist die Autoindustrie wieder gewachsen. Bis 2018 sind über 100.000 Jobs dazugekommen.

Der Strukturwandel:

Die Branche selbst verändert sich dauerhaft. Dabei fallen Jobs weg. Und die kommen nicht zurück.

Welche von beiden haben wir jetzt?

An der Konjunktur liegt es diesmal nicht. Weltweit werden nämlich wieder mehr Autos verkauft: 2025 waren es über 90 Mio. Anfang der 2030er sollen es zum 1. Mal rund 100 Mio. sein.

Es werden also immer mehr Autos verkauft. Aber die deutsche Autoindustrie schrumpft trotzdem.

Was sich verändert, ist die Branche selbst.

Und zwar an 3 Punkten:

1) Mehr Konkurrenz:

Deutsche Hersteller verlieren Marktanteile. Am stärksten in China, dem größten Automarkt der Welt. Dort verkaufen sie 1/4 weniger Autos als vor 5 Jahren. Und der Trend verstärkt sich gerade noch.

Und was in China passiert, bleibt leider nicht in China: In Europa war im August schon mehr als jeder 10. Neuwagen von einer chinesischen Marke.

Weniger verkaufte Autos heißt weniger Arbeit. Bei den Herstellern und bei den Zulieferern, die an ihnen hängen.

2) Der Wert im Auto verschiebt sich:

Bisher ist der wertvollste Teil der Arbeit bei uns in Deutschland entstanden: die Entwicklung. Damit haben wir das meiste Geld verdient.

Jetzt machen andere Technologien ein Auto wertvoll: Batterie, Software und KI. Die werden nicht bei uns entwickelt. Sondern vor allem in China und den USA.

Die deutschen Hersteller kaufen sie immer öfter ein. Und brauchen dafür weniger eigene Entwickler.

Unsere Stärke verliert an Wert.

3) Es braucht weniger Menschen:

Ein E-Auto ist einfacher zu bauen als ein Verbrenner. Dazu übernehmen KI und Automatisierung immer mehr Arbeit. In der Fabrik und im Büro. Bei BMW jetzt sogar im Top-Management.

Firmen schaffen also dasselbe mit weniger Leuten.

Keiner dieser 3 Punkte verschwindet, wenn die Wirtschaft wieder besser läuft.

Wir stecken in einem Strukturwandel. Nicht in einer Konjunkturkrise. Wir verlieren Jobs. Und die kommen nicht zurück. Zumindest nicht in dieser Form.

Für die Autokonzerne heißt das: Sie haben zu viele Leute. Und wollen Stellen abbauen. Das Problem: Sie können die Leute nicht einfach rauswerfen.

Warum die Konzerne nicht einfach kündigen können

Eigentlich darf ein Unternehmen in Deutschland kündigen, wenn Arbeit dauerhaft wegfällt. Das nennt man betriebsbedingte Kündigung.

Die großen Autokonzerne haben aber versprochen, genau das nicht zu tun:

  • VW bis Ende 2030

  • Audi bis Ende 2033

  • Mercedes bis Ende 2034

  • Porsche bis Ende 2035

Das nennt man Jobgarantie.

Warum verspricht ein Konzern sowas?

Weil das Management in einem deutschen Autokonzern nicht allein entscheidet. Die Arbeitnehmer reden mit. Auf 2 Wegen:

1) Über die Gewerkschaft:

In der Autoindustrie ist das die IG Metall. Sie verhandelt mit dem Management über Lohn und Arbeitszeit. Das Ergebnis steht im Tarifvertrag. Und sie darf streiken.

2) Über den Betriebsrat:

Den wählen die Mitarbeiter selbst. Er redet zum Beispiel beim Homeoffice mit. Und bei den Regeln für einen Stellenabbau.

Ohne die beiden geht ein Stellenabbau kaum durch. Das Management muss also mit ihnen verhandeln.

Genau so sind die heutigen Jobgarantien entstanden. Die Konzerne wollten Kosten senken und Stellen abbauen. Am Ende gab es einen Deal:

  • Die Belegschaft verzichtet auf Geld

  • Stellen dürfen wegfallen

  • Dafür versprechen die Konzerne, niemandem zu kündigen

Die Stellen fallen nur weg, wenn Leute freiwillig gehen.

Und diese Jobgarantien sind keine 2 Jahre alt: VW hat seine Ende 2024 unterschrieben, Mercedes und Audi Anfang 2025, Porsche diesen Juli.

Also: Die Konzerne wollen Stellen abbauen. Aber sie dürfen niemandem kündigen. Was können sie tun?

So baut das Management Stellen ab, ohne zu kündigen

Das Management macht 2 Dinge:

1) Geld fürs Gehen:

Wer freiwillig geht, bekommt eine Abfindung. Bei Mercedes waren für langjährige Mitarbeiter über 500.000 € möglich.

Für Mercedes lohnt sich das trotzdem. Über die gesparten Gehälter sollen die Abfindungen nach 2 Jahren wieder drin sein.

VW und BMW machen es genauso.

2) Die Bedingungen verschlechtern:

Mercedes kündigt die Regelung fürs Homeoffice. 4 Tage Büro sollen der Standard werden. Außerdem will Mercedes mehr Arbeit fürs gleiche Geld. Auch VW-Chef Oliver Blume spricht von längeren Arbeitszeiten ohne mehr Lohn.

Das macht die Leute unzufrieden. Und sie kündigen dann eher von selbst.

Der Nebeneffekt: Wer bleibt, kostet das Unternehmen weniger.

Und wie reagieren Betriebsrat und Gewerkschaft?

Was Betriebsrat und Gewerkschaft gegen den Stellenabbau tun

Betriebsrat und IG Metall machen genau das, was ihr Job ist: Sie schützen die Arbeitnehmer.

Dafür haben sie 2 Mittel. Bei VW sieht man gerade beide:

1) Verhandeln:

Ende 2024 haben IG Metall und Betriebsrat dem Abbau von über 35.000 Stellen bis 2030 zugestimmt. Dafür gab es die Jobgarantie.

Die Jobgarantie stoppt den Abbau also nicht: Seit dem Deal sind bei VW schon gut 16.300 Menschen gegangen. Das ist fast die Hälfte von dem, was bis 2030 geplant war.

2) Nein sagen:

Jetzt hat VW die Tarifverträge gekündigt und will neu über Lohn und Arbeitszeit verhandeln. Die Jobgarantie gilt dabei weiter.

Der Betriebsrat wehrt sich. Die Betriebsratschefin spricht von Erpressung. Streiken darf die IG Metall dort aber erst ab Januar. Bis dahin gelten die gekündigten Tarifverträge noch.

Am Ende heißt das: Betriebsrat und IG Metall können den Stellenabbau nicht verhindern. Sie können ihn langsamer und teurer machen. Und sie sorgen dafür, dass niemand gegen seinen Willen gehen muss.

Jetzt kommt aber die Masterfrage:

Sollten wir diese Jobs überhaupt retten?

Management und Betriebsrat machen beide ihren Job.

Sie streiten nur noch darüber, wann und wie schnell die Jobs wegfallen. Nicht mehr über das „ob“.

Alle streiten also darüber, wie der Verfall gemanagt wird.

Das Problem: Keiner streitet darüber, woher neues Wachstum und neue Arbeit kommen sollen.

Die Jobgarantie ist ein Werkzeug für eine Konjunkturkrise: Leute halten, bis die Arbeit zurückkommt. So wie die Kurzarbeit 2009.

Aber wir stecken in einem Strukturwandel. Die Arbeit kommt nicht zurück. Mit der Jobgarantie halten wir also Menschen in Jobs, die es sonst nicht mehr gäbe.

Und genau diese Menschen fehlen dort, wo Neues entsteht.

Gleichzeitig macht das Management diese Jobs immer unangenehmer. Egal, mit wem ich spreche. Bei VW, Mercedes oder Porsche: Die Stimmung ist im Keller. Das färbt aufs ganze Land ab. Und wettbewerbsfähiger werden wir dadurch natürlich auch nicht.

Das ist eine Abwärtsspirale.

Die Frage ist für mich deshalb nicht, wie wir diese Jobs retten. Sondern ob wir sie überhaupt retten sollten.

Mein Take

Ich glaube: Wir sollten diese Jobs nicht retten.

Betriebsrat und Gewerkschaft verteidigen den Status quo. Das ist ihr Job. Nur: Gerade brauchen wir Veränderung. Beides gleichzeitig funktioniert nicht.

Und das Management? Das baut die Jobs zwar ab. Aber nur, um zu sparen.

Ich kann das sogar verstehen. Manager werden an den nächsten Quartalszahlen gemessen. Nicht daran, ob ihr Unternehmen in 10 Jahren wieder vorne ist.

Sparen löst das Problem aber nicht.

Deutsche Autos waren schon immer teurer. Das hat funktioniert, weil sie technologisch besser waren. Heute sind sie das nicht mehr.

Das eigentliche Problem ist also das Produkt. Nicht die Kosten.

Wer sich jetzt nur noch auf die Kosten konzentriert, hat das Rennen um die Technologie aufgegeben.

Für mich ist das eine Kapitulationserklärung der deutschen Autoindustrie. Man hat sich damit abgefunden, dass man abgehängt ist. Und dass man das nicht mehr aufholt.

Management und Betriebsrat kämpfen beide um das, was noch da ist. Keiner baut was Neues auf.

Wir beschäftigen uns mit uns selbst, während uns der Teppich unter den Füßen weggezogen wird.

Die deutsche Autoindustrie wird weiter schrumpfen. Da sind sich alle einig. Sie ist nicht mehr unser Wachstumsmotor.

Das Wachstum muss also woanders herkommen: aus anderen Branchen, aus neuen Unternehmen.

Darüber müssten wir eigentlich streiten: Wo entstehen die Jobs von morgen?

Und dafür brauchen wir genau die Menschen, die heute in den Konzernen festsitzen. In Jobs, die eigentlich nicht mehr gebraucht werden.

Ich habe 2019 bei Mercedes gekündigt und mich selbstständig gemacht.

Die ersten Jahre waren hart. Aber ich hab's nie bereut. Für mich war es die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.

Deshalb kann ich jedem nur Mut machen: Wenn du die Chance hast, nutz sie. Erst recht, wenn es dafür noch eine Abfindung gibt.

Denn in den Autokonzernen wird die Stimmung erst mal nicht besser. Und woanders entsteht gerade richtig viel Neues.

Man kann selbst gründen. Oder bei einem Unternehmen einsteigen, das gerade was aufbaut. Und mithelfen, eine neue Wachstumsstory für Deutschland zu schreiben.

Also: Hören wir auf, die Jobs von gestern zu retten. Und bauen wir die von morgen auf.

PS: Am Montag gibt's das Thema ausführlicher auf YouTube und am Dienstag im Podcast.

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Philipp Raasch

Bis nächsten Sonntag,
Philipp Raasch