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Herzlich willkommen zur 122. Ausgabe von Der Autopreneur.

Wenn wir auf Deutschland schauen, fühlt sich die Lage eindeutig an: Werke schließen, Stellen fallen weg, die Stimmung ist im Keller.

Aber dann schauen wir auf die globalen Zahlen: 2025 wurden weltweit rund 90 Mio. Autos verkauft, fast so viele wie in den besten Jahren vor Corona. Bis 2030 sollen es erstmals über 100 Mio. pro Jahr werden.

Wie passt das zusammen?

Dafür lohnt der Blick weg von Deutschland, hin auf den gesamten Weltmarkt. Genau das machen wir heute:

  • Warum Indien inzwischen mehr Autos baut als Deutschland

  • Warum schon jedes 4. neue Auto elektrisch fährt

  • Wer den Weltmarkt von morgen beherrscht

Die Welt kauft rund 90 Mio. Autos im Jahr

Nach dem Corona-Einbruch von 2020 hat sich der Weltmarkt komplett erholt: 2025 lag er mit rund 90 Mio. verkauften Autos (Pkw und leichte Nutzfahrzeuge) fast wieder auf dem Vor-Corona-Niveau. Und die Prognosen zeigen weiter nach oben, Richtung 100 Mio.

Von einer weltweiten Autokrise keine Spur (S&P Global Mobility)

Eine weltweite Autokrise sieht anders aus. Der Kuchen wird größer. Er wird nur nicht überall größer: Fast das gesamte Wachstum entsteht außerhalb von Europa und Nordamerika.

Für Deutschland ist genau das der Knackpunkt: Die deutschen Hersteller leben vom Verkauf in die Wachstumsmärkte der Welt.

Also: Wo sitzt dieses Wachstum?

Die 4 großen Autoregionen laufen auseinander

Die Branche teilt den Weltmarkt in 4 große Regionen ein. Die Neuwagen-Verkäufe 2025 im Überblick:

  • China: 26,6 Mio. Der größte Einzelmarkt der Welt. Nach dem Boom der letzten 2 Jahrzehnte läuft er jetzt auf ein Plateau zu

  • Nordamerika (USA, Kanada, Mexiko): 19,6 Mio. Kaum noch Wachstum, aber stabil auf hohem Niveau

  • Europa: rund 15 Mio. Verkauft seit Jahren ungefähr gleich viel

  • Rest of World, also alles außerhalb dieser 3 Regionen: zusammen rund 28 Mio. Als Block sogar etwas größer als China, größer als Europa und Nordamerika einzeln. Und die Region, die am stärksten wächst

Rest of World klingt nach Nebensache. Der Name kommt daher: Einzeln waren diese Märkte lange zu klein, um neben China, Europa und Nordamerika aufzutauchen.

Drin stecken vor allem (Verkäufe 2025):

  • Indien: 4,5 Mio., inzwischen der drittgrößte Einzelmarkt der Welt

  • Japan: 3,8 Mio., die Ausnahme hier: reifer Markt mit kaum noch Wachstum, gekauft werden vor allem Hybride

  • Brasilien: rund 2,5 Mio.

  • Dazu Südostasien, der Nahe Osten, Lateinamerika, Afrika

Komplett unterschiedliche Märkte. Aber genau hier liegt das Wachstum der nächsten Jahre.

Die 4 Autoregionen laufen auseinander (S&P Global Mobility)

Zur Einordnung: In Deutschland wurden 2025 rund 2,8 Mio. Autos verkauft.

Soweit die Frage, wo Autos gekauft werden. Mindestens genauso spannend: wer sie baut. Und wer sie in die Welt verkauft.

China exportiert fast 2x so viele Autos wie Deutschland baut

Wo werden die meisten Autos gebaut? Die Top 5 bei der Produktion 2025:

  1. China: 34,5 Mio., jedes 3. Auto der Welt

  2. USA: rund 10,2 Mio.

  3. Japan: rund 8,4 Mio.

  4. Indien: 6,5 Mio.

  5. Südkorea und Deutschland: je rund 4,1 Mio.

China ist seit 2009 die Nummer 1. Indien hat Deutschland klar überholt.

Wie viel dieser Produktion geht ins Ausland? Die 3 größten Auto-Exporteure 2025:

  1. China: rund 7,1 Mio. (Rekord)

  2. Japan: rund 4,2 Mio.

  3. Deutschland: 3,2 Mio.

Deutschland galt jahrzehntelang als DER Exportweltmeister. 2022 hat China zuerst Deutschland überholt, 2023 dann auch Japan. Seitdem ist China die Nummer 1. Und heute exportiert China fast 2x so viele Autos wie Deutschland überhaupt baut.

Das ist aber nur die Sicht auf Stückzahlen. Beim Wert sieht die Rangliste anders aus: Deutsche Pkw-Exporte haben 2025 rund 156 Mrd. € eingebracht, mehr als die jedes anderen Landes. China kommt trotz mehr als doppelter Stückzahl auf geschätzt rund 110 Mrd. €. Es gibt also 2 Exportweltmeister: China nach Menge, Deutschland nach Wert.

Aber warum exportiert China überhaupt so viel? Weil seine Fabriken weit mehr bauen können, als der eigene Markt aufnimmt:

  • Kapazität: geschätzt 45 Mio. Autos pro Jahr

  • Verkäufe zu Hause: rund 27 Mio.

Diese Überkapazität drückt China auf die Weltmärkte. Vor allem in die, die wachsen. Und diese Exporte werden immer elektrischer: Im April 2026 war erstmals mehr als die Hälfte davon E-Autos.

China hat Deutschland beim Export überholt (CAAM, JAMA, VDA)

Jedes 4. neue Auto fährt elektrisch

2020 war 1 von 20 Neuwagen weltweit elektrisch. 2025 ist es 1 von 4. Und der größte E-Auto-Hersteller der Welt heißt nicht mehr Tesla, sondern BYD (2,26 vs. 1,64 Mio. verkaufte reine E-Autos).

Der Verbrenner hat seinen Höhepunkt dagegen hinter sich: 2017 wurden weltweit rund 86 Mio. reine Verbrenner verkauft, 2024 noch rund 60 Mio. Minus 30% in 7 Jahren.

Aber jeder Markt steigt in seinem eigenen Tempo um. Der Anteil von E-Autos und Plug-in-Hybriden an den Neuwagen 2025:

  • Norwegen: rund 96%

  • China: rund 54%

  • Europa: rund 27%

  • Global: rund 25%

  • USA: rund 9%, seit dem Ende der Kaufprämie 2025 sogar rückläufig

  • Rest of World: erst im einstelligen Bereich, dafür +48% Wachstum in 2025, schneller als jede andere Region

Der Treiber dieses Wachstums ist fast überall derselbe: Importe aus China.

Jeder Markt elektrifiziert im eigenen Tempo (IEA)

4 Zahlen, die du auf dem Schirm haben solltest

  • Fast jedes 2. neue Auto weltweit ist ein SUV. In Europa sind es 54%

  • Die beliebteste Antriebsart in Europa ist der Hybrid ohne Stecker: 34,5%. Der Diesel liegt mit 8,9% auf dem letzten Platz unter den großen Antriebsarten

  • Neuwagen kosten fast überall Rekordpreise: in den USA wie in Deutschland im Schnitt rund 45.000 €. Nur in China fallen sie: Ein Neuwagen kostet dort im Schnitt rund 21.700 €, also etwa die Hälfte

  • Wasserstoff bleibt ein Nischenthema: 2025 standen über 20 Mio. verkauften E-Autos rund 16.000 Wasserstoff-Pkw gegenüber. 1.000 zu 1

Aber wer verkauft eigentlich all diese Autos?

Wer den Weltmarkt beherrscht

Bisher ging es um Märkte, Produktion und Antriebe. Jetzt zählt, wer sie verkauft. Dafür rechnen wir alle Hersteller eines Landes zusammen, egal wo auf der Welt sie verkaufen.

Über 20 Jahre lang war Japan in dieser Rechnung die Nummer 1. 2025 ist das vorbei: China hat Japan überholt.

Die Weltmarkt-Rangliste 2025, gemessen am Anteil aller weltweit verkauften Fahrzeuge:

  1. China: rund 28% Weltanteil (27 Mio. Fahrzeuge), stark steigend

  2. Japan: rund 26% (25 Mio.), stagniert

  3. Deutschland: rund 14% (13 Mio.), leicht fallend

  4. USA: rund 12% (12 Mio.), stabil

  5. Korea: rund 7% (gut 7 Mio.), stabil

Das Überholen ging schnell: 2022 lag China noch 8 Mio. Fahrzeuge hinter Japan. Und die Prognose: 2030 kommt weltweit jedes 3. verkaufte Auto von einer chinesischen Marke.

Der größte Einzelkonzern bleibt Toyota. Als einziger verkauft Toyota über 10 Mio. Autos im Jahr.

China überholt Japan als größte Auto-Nation (focus2move)

Und Deutschland? Gemeint sind hier immer die 3 Konzerne VW, BMW und Mercedes mit allen ihren Marken, von Audi bis Porsche. Zusammen halten sie rund 14% des Weltmarkts. Anders gesagt: Etwa jedes 7. verkaufte Auto weltweit kommt aus einem deutschen Konzern. Bei E-Autos und Plug-in-Hybriden ist es immerhin jedes 9.

So sieht der deutsche Marktanteil je Region aus:

  • Europa: rund 36%, die stärkste Region

  • China: rund 16%, vor wenigen Jahren waren es noch über 20%. Tendenz weiter fallend

  • USA: rund 8%, stabil auf kleinem Niveau

  • Rest of World: unter 10%, mit großen Unterschieden je Markt

Der frühere Wachstumsmotor China fällt damit aus. 2025 haben VW, BMW und Mercedes dort alle Anteile verloren, Mercedes und BMW sogar zweistellig. Und 2026 sieht bisher nicht besser aus.

Mein Take

Die deutsche Autoindustrie lebt vom Export. Das Modell war immer: In Deutschland entwickeln, weltweit verkaufen. Vor allem dorthin, wo der Markt gerade wächst.

20 Jahre lang war dieser Wachstumsmarkt China. Damit ist jetzt Schluss. 2025 ist er zwar noch einmal kräftig gewachsen, getrieben vor allem von staatlichen Kaufanreizen. Doch der Boom ist vorbei: In den nächsten Jahren läuft der Markt auf ein Plateau zu. Und was dort noch wächst, holen sich immer öfter die Chinesen selbst.

Für die deutschen Hersteller heißt das: Ihr Geschäft in China wird in den nächsten Jahren kleiner, nicht größer.

Damit wird Europa als Heimatmarkt umso wichtiger. Nur: Europa wächst seit Jahren nicht mehr. Gleichzeitig greifen hier die chinesischen Marken an. Ihr Anteil am gesamten europäischen Automarkt hat sich in nur einem Jahr fast verdoppelt: von rund 4% auf über 7%. Im April 2026 schon fast 10%.

In einem Markt ohne Wachstum geht das nur auf Kosten der etablierten Hersteller. Im Klartext: Auch in Europa werden die deutschen Hersteller eher weniger verkaufen als mehr.

Dann die USA. Auch dieser Markt wächst nicht. Für die deutschen Hersteller ist er eine stabile, aber kleine Premium-Nische. Und die US-Zölle machen das Geschäft zusätzlich schwerer. Große Sprünge sind hier nicht zu erwarten.

In keiner dieser drei Regionen werden die deutschen Hersteller in den nächsten Jahren wachsen. Bleibt eine einzige Wachstumsregion: Rest of World. Was in den nächsten Jahren noch dazukommt, entsteht fast komplett in diesen Märkten. Dort werden die Kunden der nächsten 20 Jahre gewonnen.

Die Chinesen haben das erkannt. Sie expandieren gezielt in genau diese Märkte. Der Marktanteil chinesischer Marken dort:

  • Südostasien: in den großen Märkten in nur einem Jahr von rund 6% auf über 10% gesprungen

  • Naher Osten und Afrika: von 10% auf mehr als 1/3 bis 2030

  • Brasilien und Thailand: bei den E-Autos zuletzt rund 85%

Und sie verändern diese Märkte dabei: Wo die Chinesen einsteigen, kippt der Markt deutlich schneller vom Verbrenner zum E-Auto. Damit wiederholt sich dort der Wettbewerb, den wir aus China und jetzt auch aus Europa kennen. Beim Verbrenner sind wir konkurrenzfähig. Beim E-Auto tun wir uns schwer, mit China mitzuhalten.

Trotzdem führt kein Weg an diesen Märkten vorbei: Nur dort lassen sich die absehbaren Verluste aus China und Europa ausgleichen. Der Fokus muss also dahin wandern, wo das Wachstum ist.

Aber es gibt einen Haken: Rest of World ist kein Markt, sondern Dutzende. Indien ist nicht Brasilien, Thailand ist nicht Saudi-Arabien. Eine Strategie für alle gibt es nicht. Wer diese Märkte gewinnen will, braucht für jeden eine eigene Antwort.

Also: Das Wachstum ist nicht weg. Es ist nur woanders. Das nächste Jahrzehnt der Automobilindustrie entscheidet sich nicht in China und nicht in Europa, sondern im Rest der Welt.

Und das Beste daran: Dieses Rennen hat gerade erst begonnen.

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PS: Am Dienstag gibt's das Thema ausführlicher auf YouTube und im Podcast. Hier kommst du direkt zu allen Kanälen

PPS: Letztens war ich zu Gast im Podcast von Paul Ronzheimer. Wir haben über Chinas Auto-Angriff auf Deutschland gesprochen. Die Folge hat es sogar auf Platz 1 der deutschen Podcast-Charts geschafft. Hier kannst du reinhören: Podcast oder auf YouTube schauen.

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Philipp Raasch

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