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Diese Ausgabe wird unterstützt von Berylls by AlixPartners
Für den heutigen Newsletter habe ich mit Dr. Jürgen Simon von Berylls by AlixPartners gesprochen. Er ist einer der Autoren der neuen TOP-100-Zulieferer-Studie. Seine Analysen und die Zahlen der Studie sind in diese Ausgabe eingeflossen. Ausschnitte aus unserem Gespräch gibt's am Dienstag auf YouTube und im Podcast.
Berylls by AlixPartners hatte keinen Einfluss auf den Inhalt dieses Newsletters.
Herzlich willkommen zur 121. Ausgabe von Der Autopreneur.
2025 wurden weltweit mehr Autos gebaut als im Vorjahr. Trotzdem ist der Umsatz der 100 größten Zulieferer gesunken. Mehr Autos, weniger Geld.
Am härtesten trifft es die Deutschen. 17 deutsche Firmen stehen in den Top 100, zusammen Platz 2 nach Umsatz. Und trotzdem haben sie die dünnste Marge aller großen Zuliefernationen.
Noch verkaufen sie viel, fast mehr als alle anderen. Sie verdienen nur kein Geld mehr. Und wenn sie ihr Geschäft jetzt nicht umbauen, sind sie bald wirklich weg.
Ich habe mir die neue TOP-100-Zulieferer-Studie von Berylls by AlixPartners angeschaut und mit Jürgen Simon gesprochen. Er ist einer der Autoren.
Heute schauen wir uns an:
Warum Zulieferer 2025 erstmals mehr verdienen als die Hersteller
Warum deutsche Zulieferer nur noch 1,7% Marge machen
Was Japan und China besser machen. Und wie die Deutschen da rauskommen

Zulieferer verdienen auf einmal mehr als Hersteller
Das ist kontraintuitiv. Zum ersten Mal seit Jahren verdient ein Zulieferer im Schnitt mehr als der Hersteller, den er beliefert:
Zulieferer: 5,2% Marge (von 5,8%)
Hersteller: 4,2% (von 6,9%)
Dahinter stecken 2 ganz unterschiedliche Geschichten:
1) Den Herstellern geht es besonders schlecht. Weltweit herrscht ein harter Preiskampf. Dazu kommen geopolitische Spannungen und Zölle. Und gleichzeitig müssen sie Milliarden in Zukunftstechnologien investieren
2) Zulieferer ist nicht gleich Zulieferer. „Zulieferer" ist nur ein Sammelbegriff, vom Chiphersteller bis zum Sitzbauer. Ein paar verdienen richtig gut und ziehen den Schnitt nach oben. Andere verdienen kaum etwas
Was unterscheidet also die Gewinner von den Verlierern? Nicht wer am meisten verkauft. Sondern vor allem:
Was man baut
Wo man baut
An wen man verkauft
Und genau hier stehen die Deutschen schlecht da:
Viele bauen das, was gerade am wenigsten abwirft
Sie produzieren oft da, wo es teuer ist
Und ihren wichtigsten Kunden (den deutschen Autoherstellern) geht es besonders schlecht
So bleiben einem typischen deutschen Zulieferer (im Median) unterm Strich nur 1,7% Marge übrig.
Woran das genau liegt, schauen wir uns jetzt an.
Über die Marge entscheidet vor allem das Segment
Wie groß der Unterschied wirklich ist, zeigt die typische Marge je Segment:
Stark: Halbleiter 24,6%, Glas 23,2%, Reifen 10,2%
Schwach: Antrieb 4,5%, Batterie -11,3%
Manche Segmente verdienen richtig gut. Eins verbrennt wirklich Geld. Und das ist ausgerechnet die Batterie. Also das Segment, das alle für die Zukunft halten.

Das Segment entscheidet über die Marge
Das Interessante: Beim Umsatz wächst kein Segment schneller als die Batterie, +27,9% pro Jahr seit 2020. Bei der Marge steht keines schlechter da.
Wie kann das sein, obwohl jedes Jahr mehr E-Autos verkauft werden?
Wer Batterien baut, steckt zuerst Milliarden in riesige Fabriken. Die sind aber nicht voll ausgelastet. Die Nachfrage nach E-Autos ist 2025 langsamer gewachsen als geplant.
Dazu belastet der Preiskampf die Preise. Viele verkaufen also immer mehr und verdienen trotzdem nichts. Jürgen sagt: Felder wie Batterie und Elektronik liefen sehr gut, das heißt aber nicht automatisch Profitabilität.
Was das heißt, sieht man in Korea. Die kommen nur auf 2,9% Marge, weil die großen Batteriehersteller tief im Minus stehen.
Heißt: Wer aufs falsche Segment setzt, zieht den Schnitt seines ganzen Landes mit runter.
Deutsche Zulieferer verdienen kaum noch Geld
Am deutlichsten zeigt sich das in Deutschland:
Platz 2 nach Umsatz
Letzter bei der Marge
Der schlechteste Wert aller großen Zuliefernationen.

Marge je Nation, Deutschland Letzter
Man sieht das an Bosch. Mit fast 56 Mrd. € Umsatz der mit Abstand größte Autozulieferer der Welt. Und trotzdem bleiben am Ende nur 1,8% Marge.
Der Hauptgrund ist das Segment. Die großen deutschen Zulieferer hängen stark am klassischen Antrieb, also an allem rund um den Verbrenner. Und genau dieses Segment schwächelt. 5 der 10 Firmen mit der schwächsten Marge der Top 100 sind deutsch.
Dass vor allem das Segment entscheidet, zeigen 2 deutsche Firmen nebeneinander:
ZF im klassischen Antrieb: -2,8% Marge
Infineon mit Halbleitern: 21,5%
Dazu kommt aber auch der teure Standort. Die Erzeugerpreise steigen in Deutschland rund 6,7% pro Jahr, in China nur 0,8%.
Was das konkret heißt, sieht man an den Werken. 2025 wurden in Deutschland 10 Werke geschlossen und nur 1 neu eröffnet. Damit ist Deutschland die einzige große Region, in der mehr Werke schließen als öffnen.
Und die dünne Marge wird für viele zum Problem. Um zu überleben, müssen die Firmen ihr Geschäft umbauen. Das kostet enorm viel Geld. Aus dem laufenden Geschäft kommt es nicht, dafür verdienen sie zu wenig. Bleibt nur: Schulden machen.
Doch wer kaum verdient und schon hoch verschuldet ist, bekommt von den Banken kaum noch frisches Geld:
Entweder gar keinen Kredit mehr
Oder nur zu sehr hohen Zinsen
Ausgerechnet jetzt, wo sie das Geld am dringendsten brauchen, ist es am teuersten.
Berylls rechnet deshalb bis 2027/28 mit einer Welle aus Insolvenzen und Zusammenschlüssen.
Japan verdient 3x so viel wie Deutschland
Spannend ist der Vergleich mit Japan. Denn Japan ist Deutschland eigentlich sehr ähnlich: eine alte, starke Verbrenner-Nation mit starken eigenen Herstellern und Zulieferern. Japan hat 21 Zulieferer in den Top 100, Deutschland 17.
Und trotzdem verdient ein typischer japanischer Zulieferer 5,9% Marge. Mehr als 3x so viel wie ein deutscher.
Wie kann das sein, bei so ähnlichen Voraussetzungen?
Der Unterschied liegt nicht im Produkt. Er liegt in der Beziehung zwischen Hersteller und Zulieferer.
In Japan arbeiten Hersteller und Zulieferer zusammen. Die Beziehungen sind eng und auf Augenhöhe. Oft halten beide sogar Anteile aneinander.
Der Hersteller drückt nicht nur den Preis. Krisen steht man gemeinsam durch.
In Deutschland ist es umgekehrt: friss oder stirb. Wer an Mercedes, VW oder BMW liefert, ist am Ende vor allem ein Kostenposten. Der Druck wird einfach nach unten durchgereicht. Ich bekomme dauernd Nachrichten von Zulieferern, die genau das erleben.
Und das ist gefährlich. So zerstören wir Stück für Stück unser eigenes Ökosystem. Wir brauchen diese Zulieferer für Entwicklung und Produktion im Land. Und genau sie drängen wir damit selbst aus dem Markt.
China verdient am meisten, und wächst am schnellsten
Und China? Da würde man erwarten: harter Preiskampf, keiner verdient Geld. Es ist genau umgekehrt:
15 Firmen in den Top 100, 3 davon neu in diesem Jahr
+11,0% Umsatz bei der typischen Firma
9,6% Marge (Median), gut 5x so viel wie in Deutschland
Wichtig: Nur 7 der 15 chinesischen Firmen melden überhaupt ihre Margen. Große Player wie CATL fehlen hier beispielsweise.
Das eigentlich Beunruhigende ist aber nicht die Marge, sondern die Geschwindigkeit. Denn China wächst am schnellsten:
8 der 10 wachstumsstärksten Zulieferer der Welt sind chinesisch
Beim Länder-Umsatz hat China gerade die USA überholt und steht auf Platz 3, direkt hinter Deutschland und Japan
Bisher geht Chinas Wachstum vor allem auf Kosten von Japan. Seit 2020 hat Japan 6 Plätze in den Top 100 verloren, China hat 8 dazugewonnen. Deutschland hat seine 17 im selben Zeitraum gehalten.
Die Frage ist nur, wie lange das so bleibt. Jürgen meint: Die 17 Plätze zu halten, wird „sehr schwierig".

8 der 10 wachstumsstärksten Zulieferer kommen aus China
So überleben deutsche Zulieferer noch
Für die deutschen Zulieferer steht damit nicht mehr nur die Marge unter Druck, sondern das Geschäftsmodell selbst. Gleich von 3 Seiten:
Ihr Kerngeschäft schrumpft. Alles rund um den Verbrenner wird weniger
Chinesische Zulieferer nehmen ihnen Marktanteile weg. Sogar deutsche Hersteller kaufen zunehmend dort ein
Gleichzeitig werden die chinesischen Autohersteller als Kunden immer wichtiger. Aber die sind oft stärker vertikal integriert und kaufen wenig von außen zu. Und wenn, dann eher bei chinesischen Zulieferern
Billiger oder besser werden reicht also nicht mehr. Jürgen sagt: „Das alte deutsche Premium-Zuliefermodell muss schon ein Stück weit erneuert werden."
Im Kern gibt es 2 Richtungen:
In profitablere Segmente expandieren
Oder ganz raus aus Automotive, rein in neue Märkte
So sieht der Umbau konkret aus:
ZF verkauft seine komplette Fahrerassistenz-Sparte für rund 1,5 Mrd. € an Harman und senkt so seine Schulden
Continental spaltet sein ganzes Autogeschäft als Aumovio ab
Mahle baut Kühlmodule für stationäre Batteriespeicher
Schaeffler baut Teile für humanoide Roboter und Kühltechnik für Rechenzentren
Der KI-Boom ist dabei Fluch und Segen zugleich: Die Rechenzentren kaufen gerade die Chips weg, die wir in der Autobranche brauchen. Aber dieselbe Welle ist auch eine Chance: Wer Teile für diese Rechenzentren liefert, profitiert überproportional.
Mein Take
Für mich entscheidet sich das alles nicht in den Zahlen. Sondern im Kopf.
Die deutschen Zulieferer hatten jahrzehntelang ein stabiles Geschäft. Gleiche Kunden, gleicher Markt. Unsere Branche ist zyklisch: Man läuft von einer Krise in die nächste. Aber jede war bisher nur temporär. Da kam man durch, indem man effizienter und günstiger wurde. Danach ging es wieder bergauf. Das eigentliche Geschäftsmodell stand nie infrage.
Diese Krise ist anders. Effizienter werden reicht diesmal nicht. Zum ersten Mal seit Generationen müssen diese Unternehmen überdenken, was sie überhaupt tun.
Dabei können sie das eigentlich. Bosch, Continental, ZF gibt es teils seit über 100 Jahren. Am Anfang stand immer eine Wette: Jemand ist ins Risiko gegangen und hat einen Markt gesehen, den es so noch nicht gab. Erst danach kamen die ruhigen Jahrzehnte. Die Aufgabe wurde eine andere: optimieren, verwalten.
Genau da müssen sie wieder hin: vom Verwalter zurück zum Gründer. Das Schwierige daran ist nicht die Analyse, welches Segment läuft. Das Schwierige ist dieser Wechsel im Kopf. Wieder neugierig werden, wieder mutig sein, wieder Wetten eingehen. Und vor allem wieder lernen, wie man lernt. Worauf setze ich? Was gebe ich auf? Wo will ich in 10 Jahren sein?
Jürgen hat es nüchtern gesagt: „der Kern ist nicht zwangsläufig das, was ich die letzten 100 Jahre gemacht habe." Das hier ist „weit weg von einer vorübergehenden Delle". Es ist „vielmehr eine neue Realität".
Realistisch heißt das: In ein paar Jahren stehen vielleicht keine 17 deutschen Firmen mehr in den Top 100. Das muss nichts Schlechtes sein. Manche fehlen dann vielleicht nur, weil sie längst ein viel lukrativeres Geschäft außerhalb der Autobranche gefunden haben. Und die Firmen, die bleiben, verdienen wieder Geld. Nicht weil sie die Größten waren. Sondern weil sie rechtzeitig die richtige Wette gemacht haben.
PS: Am Dienstag gibt es das Thema ausführlicher im Podcast und auf YouTube. Wenn du keine Folge verpassen willst, einfach abonnieren.
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Zur Methode: Die Margen je Nation zeigen die typische Firma (Median), nicht den Durchschnitt. Einzelne Werte können daher von den Studienzahlen abweichen.

