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Alle reden über "China Speed". Die wenigsten wissen, was dahintersteckt.
Wir reden hier oft darüber, dass wir schneller werden müssen. Aber was machen die Chinesen wirklich anders? Und was davon funktioniert in Europa?
Wenn du in der Produktion oder Entwicklung arbeitest: Es gibt jetzt ein 4-Stunden Online-Seminar zu genau dieser Frage. Extreme Manufacturing. Die Prinzipien hinter "China Speed" in Produktion und Entwicklung.
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Herzlich willkommen zur 114. Ausgabe von Der Autopreneur.
"Die wirkliche KI-Nutzung wird die Führungsebenen reduzieren. Und genau das ist im Konzern nicht wirklich gewollt."
Das hat mir ein Insider aus einem deutschen Autokonzern gesagt. Einer von vielen.
Ausgangspunkt war dieser Newsletter mit der These: KI ersetzt zuerst die bestbezahlten Jobs in der Autoindustrie. Am Ende stand eine Umfrage. 293 Menschen haben geantwortet. Seitdem habe ich dutzende Hintergrundgespräche mit Insidern geführt.
Ich wollte verstehen: Wo steht die deutsche Autoindustrie beim Thema KI?
Offiziell ist alles klar. Budgets freigegeben. Copilot ausgerollt. Strategie steht auf den Folien.
Aber die Realität in den Unternehmen sieht anders aus.
Heute schauen wir uns an:
Was 293 Insider anonym über KI sagen
Warum mal wieder nicht die Technologie das Problem ist, sondern das System
Warum der Druck aus China und den USA kommt

Die Daten
Wer hat geantwortet?
48% aus OEMs und Zulieferern
37% Entscheider aus Geschäftsführung, Vorstand und Bereichsleitung
Plus Einzelgespräche mit Insidern aus OEMs, Zulieferern und Tech-Firmen
Was sind die wichtigsten Erkenntnisse?
85% nutzen KI regelmäßig oder täglich
91% haben KI bereits eingeführt oder planen es konkret
57% sagen: Muss ich dieses Jahr angehen
Und trotzdem: 45% haben ein Orientierungsproblem

Wie KI die Autoindustrie trifft: Organisation, Technologie, Geschäftsmodell
Warum das System sich selbst bremst
Wie passt das zusammen? Fast die Hälfte kommt nicht weiter, obwohl die Technologie längst da ist.
Die Antwort ist wieder mal nicht die Technologie. Sondern das System.
Die meisten wollen KI nutzen. Aber das System gibt ihnen nicht, was sie dafür brauchen:
Keine Zeit, sich einzuarbeiten
Kein Budget für Tools oder Weiterbildung
Keine Freigabe für das, was wirklich funktioniert
Kein Rahmen, in dem gelernt werden darf
Keine Orientierung, welcher Use Case den Aufwand lohnt
Dazu kommt ein zweiter Effekt. Menschen in Organisationen adaptieren neue Technologie mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten:
20% sind die Frontrunner. Sie probieren Tools aus, bauen Workflows, ziehen andere mit
60% warten ab. Sie brauchen ein klares Signal von oben, bevor sie anfangen
20% sind die Verweigerer. Sie lehnen KI komplett ab
Eine Führungskraft sagt: "Über die Hälfte unserer Mannschaft braucht aktive Überzeugungsarbeit. Das geht nur Top-down." Die Hauptangst: Jobverlust.
Und genau deshalb passieren zwei Dinge:
1) Die Leute nutzen ihre eigenen Tools:
50% der Befragten haben in den letzten 12 Monaten KI-Tools eigenständig eingeführt. Und das passiert oft an der IT vorbei. Private Accounts mit Firmendaten. Nicht freigegebene Modelle. Interne Dokumente in externen Tools.
Es gibt sogar ein Wort dafür: Schatten-KI.
Die Ironie: Viele Unternehmen verbieten KI-Tools aus Datenschutzgründen. Und erzeugen damit genau das Risiko, das sie vermeiden wollten.
2) Die Organisation macht KI zum Office-Feature:
Da wo KI offiziell erlaubt ist, versucht die Organisation sie so weit einzudampfen, bis sie in bestehende Prozesse und Denkmuster passt. Bis sie sich anfühlt wie ein neues Office-Feature.
Statt Prozesse neu zu denken, wird KI obendrauf gesetzt.
"Wir bügeln KI aktuell über alte eingefahrene Prozesse. Ohne die Chance zu nutzen, diese mit KI ganz neu zu denken."
Warum macht das niemand anders?
1) Niemand sägt gern am eigenen Ast:
Wer führt gern freiwillig ein Werkzeug ein, das einen selbst überflüssig macht? Oder die eigene Führungsspanne zusammenstreicht.
2) KI steht gar nicht auf der Agenda:
Kein Budget, kein Plan, keine Priorität. Bei Zulieferern sagen 12%, ihr Unternehmen blockiert KI komplett.
Keiner will Microsoft Copilot
Wenn Unternehmen auf KI reagieren, führen sie meistens Microsoft Copilot ein. Das war in fast jedem Gespräch Thema. Und eigentlich immer mit frustriertem Unterton.
Was die meisten bekommen: einen Chatbot ohne Zugriff auf Firmendaten, ohne Kontext zur eigenen Arbeit. Die Pro-Lizenz mit Firmendaten-Zugriff kostet rund 30€ pro Nutzer und Monat. Die rollen aber die wenigsten Unternehmen flächendeckend aus. Alles andere wird geblockt.
Privat nutzen dieselben Leute Claude, ChatGPT oder Gemini. Und alle berichten dasselbe: Copilot liefert im Vergleich viel schlechtere Ergebnisse.
Und selbst wer die Pro-Lizenz hat, ist frustriert:
"Wir haben die Pro-Lizenz. Und Copilot kriegt nicht mal eine Excel-Tabelle mit 4 Angebotsvergleichen hin. 380€ im Jahr. Ich wäre ohne doppelt so schnell fertig."
Was dann passiert? Copilot wird ausgerollt und ein paar Wochen ausprobiert. Viele sind enttäuscht von den Ergebnissen. Die Nutzung schläft ein. Und damit ist das Thema intern verbrannt. Für die 60% in der Mitte ist das die Bestätigung, auf die sie gewartet haben: "KI ist halt nicht soweit."
Die Frontrunner machen weiter wie zuvor. Manche resignieren. Manche kündigen. Sie wissen, was möglich wäre. Aber bekommen nicht die Möglichkeit es umzusetzen.
Und im Management? Kann man das Thema KI abhaken. Tool eingeführt, Haken dran.
Das ist der eigentliche Trugschluss. Copilot einzuführen heißt nicht, KI einzuführen. Es heißt, eine abgespeckte Version von ChatGPT bereitzustellen. Und gleichzeitig zu glauben, man habe damit hinreichend reagiert.
Aber einen Chatbot in Office einzuführen ist ein Feature-Update. Keine neue Art zu arbeiten.
Der Druck kommt von außen
In jedem Gespräch habe ich gefragt: Was passiert, wenn dein Unternehmen bei KI nicht mitzieht?
Die Antworten:
"Umsätze werden im Kerngeschäft ins Bodenlose fallen."
"In 2 Jahren haben wir keine marktfähigen Preise mehr."
"Ohne KI sind wir in wenigen Jahren out of business."
Hier sagen praktisch alle dasselbe.
Die gute Nachricht: Es gibt kein Erkenntnisproblem.
Die noch bessere: Organisationen sind träge. Die technologische Entwicklung ist immer schneller als die Adaption in großen Unternehmen. Internet, Mobile, Cloud. Das war jedes Mal so.
Wenn das bei KI genauso läuft, haben wir also genug Zeit um uns anzupassen.
Die schlechte Nachricht: Bei KI könnte es anders laufen.
Der Druck kommt aus 2 Richtungen:
1) Die Eintrittsbarrieren für Newcomer sinken:
Mit KI ist es plötzlich viel günstiger:
ein Produkt auf den Markt zu bringen
ein bestehendes Geschäftsmodell zu kopieren
eine ganze Branche von außen anzugreifen
AI-Native-Startups müssen nicht erst umbauen. Sie bauen von Anfang an mit KI. Was in etablierten Organisationen ein Team von 100+ braucht, machen sie mit einer Handvoll Menschen und KI-Agenten.
2) Wer früh anfängt, baut einen Vorsprung auf, den man kaum noch aufholt:
Wer KI nutzt, erreicht dieselben Ergebnisse mit einem Bruchteil der Ressourcen. Wer also früh anfängt, entwickelt schneller und verkauft günstiger. Das holt man später kaum noch auf.
Und genau hier haben Wettbewerber aus China und den USA potenziell einen Vorteil. Ihre Organisationen sind jünger. Digitaler aufgestellt. Mit weniger Arbeitnehmerschutz. Wer nicht mitzieht, wird schneller aussortiert. So kann Veränderung schneller durchgedrückt werden. Und so entsteht der Vorsprung.
Mein Take
Was hier gerade entsteht, ist eine Entfremdung. Zwischen dem, was draußen mit KI möglich ist. Und dem, was drinnen in den Organisationen passiert. Und dieser Gap wird immer größer.
Am härtesten trifft es die etablierten Konzerne. Die Größe macht sie langsam. Kennen wir.
Ein Beispiel: Deutsche Konzerne verlagern gerade große Teile der Softwareentwicklung nach Indien. Offshoring nennt sich das. Mercedes ist mittendrin. Die Entscheidung stammt aus einer Zeit, in der Software-Entwickler knapp und teuer waren.
Jetzt gerade verschiebt sich das aber. KI verändert genau diese Arbeit grundlegend.
Code wird zur Commodity. KI übernimmt das. Was Unternehmen brauchen, sind Veteranen, die Produkt UND Code verstehen. Wenige hochqualifizierte Leute, die nah an der Kernorganisation sitzen. Nicht offshore.
Trotzdem wird Offshoring umgesetzt. Denn die Organisation setzt heute Entscheidungen um, die aus einer Welt von gestern stammen. Und je größer die Organisation, desto länger dauert es, den Kurs zu korrigieren.
Wohin entwickelt sich die Welt? In Richtung von Unternehmen, die mit einem Bruchteil der Wissensarbeiter von heute auskommen. Die erfolgreichen Unternehmen der Zukunft bestehen wohl nur noch aus Frontrunnern.
Was mich in den Gesprächen aber am meisten schockiert hat: Es gibt Unternehmen in Deutschland, die KI bis heute nicht priorisieren. Kein Budget, kein Signal von oben.
Für mich ist das Führungsversagen. KI ist nicht das nächste Tool. KI verändert das Betriebssystem von Unternehmen. Wer das nicht zur Chefsache macht, fährt sein Unternehmen an die Wand.
Also zurück zur Eingangsfrage: Wo steht die deutsche Autoindustrie beim Thema KI?
Die ehrliche Antwort aus den Gesprächen: hinten.
Einige Unternehmen werden das nicht überleben.
Aber so muss es nicht kommen. Die Unternehmen können gegensteuern. Nur eben nicht mit dem klassischen Playbook.
Und die gute Nachricht ist:
Die Antwort sitzt schon im Unternehmen.
Das sind die 20%. Die Frontrunner.
Sie haben längst angefangen. Mit eigenen Tools. Eigenen Projekten. Auf eigene Rechnung.
Das sind die wertvollsten Leute, die ein Unternehmen gerade haben kann. Die darf man nicht ausbremsen. Die muss man maximal enablen.
Das ist die Wette. Nicht auf die Technologie. Auf die Leute, die sie schon nutzen.
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