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Der Kunde fragt nach Catena-X. Und jetzt?
Immer mehr Hersteller wollen Daten über Catena-X. Zertifikate, CO2-Werte, Nachweise.
Am Willen liegt es selten. Es fehlen Zeit, Wissen und Budget.
Genau da setzt der Data Space Accelerator an. Das Programm ist für kleine und mittlere Zulieferer. Du hinterlegst deine Zertifikate einmal statt in jedem Kundenportal. Wenn du die Kriterien erfüllst, gibt es 15.000 €. Das Geld kommt, sobald der Datenaustausch läuft. Ein 2. Anwendungsfall bringt noch mal 15.000 €.
Am 30.09. von 10 bis 11 Uhr läuft ein Webinar auf Deutsch.
Diese Ausgabe wird unterstützt von Catena-X. Auf meinen Text hatten sie keinen Einfluss.
Herzlich willkommen zur 131. Ausgabe von Der Autopreneur.
Unsere Branche steckt in der wohl größten Transformation ihrer Geschichte. Und gleichzeitig in einer Krise: Werke schließen, Jobs fallen weg, Zulieferer gehen pleite. Neue Wettbewerber sind schneller und günstiger. Und dazu sitzen wir in der EU: dem wohl am stärksten regulierten Markt der Welt.
Kurz gesagt: Die Hütte brennt.
Und dann kommt da auf einmal Catena-X um die Ecke. Ein Verein, der irgendwas mit Daten will. Klingt nach noch mehr Regulierung. Und nach dem nächsten Projekt, das keiner braucht.
Den Namen Catena-X hab ich tatsächlich schon zig Mal gehört. Was die genau machen, hab ich trotzdem nie so richtig verstanden.
Deshalb hab ich mit Hanno Focken gesprochen. Er ist Geschäftsführer von Catena-X.
Nach 2 Stunden hab ich's dann endlich kapiert. Und gemerkt: Die Geschichte ist viel größer, als sie aussieht. Sie führt mitten in den Grundkonflikt unserer Branche: die alten Autobauer gegen die neuen. Und zu der Frage, welche Rolle Europa zwischen China und den USA spielen kann.
Heute schauen wir uns an:
Was Catena-X überhaupt ist
Warum wir oft noch arbeiten wie im letzten Jahrhundert
Und was die neuen Autobauer anders machen

Hinter Catena-X steckt die Autoindustrie selbst
Kurz die Basics:
Hinter Catena-X steht ein Verein. Gegründet 2021 u.a. von BMW, Mercedes und VW
Der Verein legt einen gemeinsamen Standard fest: Nämlich wie Firmen ihre Daten direkt miteinander austauschen
So entsteht ein Netz zwischen allen beteiligten Firmen. Die Branche nennt so ein Netz Datenraum
Heute sind über 1.000 Unternehmen aus über 40 Ländern dabei. Darunter 8 der 10 größten Zulieferer der Welt
Immer mehr Hersteller schreiben Catena-X in ihre Lieferbedingungen
Klingt erstmal alles technisch. Im Kern geht es aber um etwas Einfaches: eine gemeinsame Sprache für Daten.
Wofür das gut ist? Dafür muss ich kurz ausholen: Wie arbeiten unsere Firmen eigentlich?
Jede Abteilung spricht ihre eigene Sprache
Wir hören ständig: Wir sind zu langsam und zu teuer. Aber woran liegt das? Und warum sind die neuen Wettbewerber so viel schneller?
Um das zu verstehen, müssen wir zurückschauen:
Die großen europäischen Autobauer und Zulieferer sind im 19. und 20. Jahrhundert entstanden. Viele sind über 100 Jahre alt. Und genauso alt sind ihre Organisationen.
Über die Jahrzehnte kamen neue Märkte, Modelle und Technologien dazu. Und für fast jede neue Aufgabe eine neue Abteilung.
Heute arbeiten in den großen Konzernen Hunderttausende Menschen. Und alle müssen sich abstimmen und auf dasselbe Ziel hinarbeiten.
Wächst eine Organisation so stark, entwickelt sie eine Eigendynamik:
Jede Abteilung findet ihre eigene Art zu arbeiten. Mit eigenen Abläufen, eigenen Begriffen und eigenen Abkürzungen. Dasselbe Bauteil heißt in der Entwicklung anders als im Einkauf. Und im Vertrieb noch mal anders
So entstehen Silos: Abteilungen, die nebeneinander herarbeiten und sich immer schlechter verstehen
Also braucht es Leute, die zwischen ihnen vermitteln: Koordinatoren und Schnittstellen-Teams. Dazu Gremien: Dort erzählt eine Abteilung der anderen, was sie gerade macht
Diese Schnittstellen-Teams werden über die Zeit zu eigenen Abteilungen. Entwickeln wieder eigene Abläufe. Und werden selbst zum Silo
Es bleibt aber nicht bei der Organisation.
Denn natürlich hat auch jede Abteilung ihre eigenen Daten und ihre eigenen Tools. Beides ist über die Jahre um die eigenen Abläufe herum gewachsen.
So wandern die Silos 1:1 in die digitale Welt. Die Tools verstehen sich genauso schlecht wie die Abteilungen, die sie nutzen.
Damit die Daten trotzdem von A nach B kommen, gibt es 2 Wege:
Große IT-Projekte, die die Tools nachträglich miteinander verbinden sollen
Oder der häufigere Weg: Menschen. Jemand zieht Daten aus dem einen Tool. Tippt sie in eine Excel-Liste. Schickt die per Mail weiter. Am anderen Ende lädt sie jemand ins nächste Tool hoch
Um die Silos zu überbrücken, stimmen sich alle ständig ab. In Gremien und per Mail. Mit PDFs und Excel-Listen.
Amazon-Gründer Jeff Bezos hat dazu mal gesagt: „Communication is a sign of dysfunction. It means people aren't working together in a close, organic way.“
Was er meint: In einer optimalen Organisation muss kaum jemand etwas abstimmen. Jeder kennt seine Rolle und weiß, was er liefern muss. Und alles greift ineinander.
In unserer Branche ist es oft genau umgekehrt.
Lange ist das trotzdem gutgegangen. Denn die Konkurrenz hatte ja dieselben Probleme.
Bis eine neue Generation kam.
Die neuen Autobauer haben ihre Organisation von Anfang an anders gebaut
Mit dem Elektroauto ist eine ganze Generation neuer Autobauer und Zulieferer entstanden.
Die haben auf der grünen Wiese gestartet. Ihre Organisation also praktisch am Reißbrett entworfen.
Und zwar passend zu einer Arbeitsweise, die digital ist und immer mehr auf KI setzt. Und ohne Altlasten.
Der bekannteste dieser neuen Autobauer ist natürlich Tesla.
Elon Musk war klar: Mit der Größe der alten Autokonzerne kann Tesla nicht mithalten. Deshalb war seine Ansage: Tesla muss schlauer und schneller sein als die anderen. Und dafür darf Tesla auf keinen Fall dieselben Strukturen aufbauen.
Das zeigen geleakte Mails von damals.
In einer beschreibt er, wie es in den meisten Firmen läuft:
Jemand braucht etwas aus einer anderen Abteilung
Also fragt er seinen Chef. Der fragt seinen Chef. Der fragt den Chef der anderen Abteilung
Und die Antwort nimmt denselben Weg zurück
Sein Urteil: „This is incredibly dumb.“
Das Problem: Silos entstehen in jeder wachsenden Firma von allein. Musk schreibt: „This is unfortunately a natural tendency and needs to be actively fought.“
Für seine Unternehmen stellt er deshalb klare Regeln auf:
Jeder spricht direkt mit dem, den er braucht. Ohne Rücksicht auf Hierarchien
Keine Abkürzungen und Fantasiebegriffe. Sonst wächst mit jedem Mitarbeiter ein Glossar, das sich niemand merken kann
Weniger Meetings. In großen Firmen werden es mit der Zeit fast immer mehr. Wer nichts beiträgt, soll rausgehen
Jeder arbeitet für die ganze Firma, nie für seine Abteilung
Tesla wurde zum Blueprint für eine ganze Generation neuer Auto-Unternehmen. Hunderte davon sind in China und den USA entstanden.
Sie haben von Anfang an darauf geachtet, nicht dieselben Fehler zu machen wie die alten Konzerne. Deshalb gibt es bei ihnen kaum Silos. Weder in der Organisation noch in den Daten und Tools.
Das macht sie schlanker, schneller und günstiger.
Und wer seine Daten im Griff hat:
entscheidet schneller
findet Fehler früher
baut bessere Produkte
und kann KI nutzen
Den etablierten Unternehmen fehlt oft genau das. Ein Wettbewerbsnachteil.
Und das Problem wird noch größer, sobald Firmen zusammenarbeiten.
Jede Firma spricht ihre eigene Sprache
Das Auto ist eines der komplexesten Produkte der Welt. Kein Autobauer entwickelt und baut es allein. Er arbeitet mit Tausenden Zulieferern und Partnern zusammen. Deutsche Hersteller haben locker 5.000 direkte Lieferanten.
Und die liefern nicht nur Bauteile. Sondern eben auch Daten zu diesen Bauteilen.
Und genau hier vervielfacht sich das Problem mit den Silos.
Bisher legt jeder Hersteller selbst fest, wie die Daten zu ihm kommen. Der eine will PDFs per Mail. Der nächste hat sein eigenes Lieferantenportal.
Liefert ein Zulieferer dasselbe Teil an 4 Hersteller, gibt er dieselben Daten 4 Mal ein. Jedes Mal in einem anderen Format.
Dabei werden es immer mehr Daten:
Früher: ab und zu ein Prüfbericht als PDF
Heute: Datensätze, die die Software der Hersteller direkt einlesen soll
Ab 2027: der digitale Batteriepass für jede neue E-Auto-Batterie in der EU, mit Angaben zu Material und CO2
Bleibt jeder bei seinem eigenen Format, entsteht vor allem eins: noch mehr Chaos.
Das haben auch die großen Hersteller erkannt. Ihre Antwort: gemeinsame Spielregeln. Ein Standard, auf den sich alle einigen.
Und das macht Catena-X.
Catena-X gibt der Branche eine gemeinsame Sprache
Wie funktioniert das?
Hanno erklärt es so: Jedes Unternehmen in der Lieferkette hat seinen eigenen Dialekt. Die einen schwäbeln. Die anderen sprechen bayerisch. Wieder andere haben einen japanischen oder chinesischen Akzent.
Catena-X schreibt die Grammatik, auf die sich alle einigen. Damit sich am Ende alle verstehen.
Heißt konkret:
Catena-X legt fest, wie Firmen ihre Daten beschreiben und weitergeben
Was heute per Mail, PDF und Excel läuft, geht dann automatisch von einer Software zur nächsten. Einrichten muss man das einmal
Der Lieferant bereitet seine Daten nur einmal auf. Jeder Kunde bekommt sie direkt von ihm, und zwar im selben Format
Und der Lieferant entscheidet selbst, welcher Kunde was sehen darf
Viele halten Catena-X für Bürokratie. Weil die meisten Firmen es zuerst für gesetzliche Nachweise brauchen. Zum Beispiel für den Batteriepass.
Nur: Diese Nachweise müssen die Firmen sowieso liefern. Catena-X erfindet keine neuen. Es macht sie einfacher.
Der eigentliche Wert liegt woanders. Hanno spielt dazu ein Beispiel durch:
Ein Hersteller merkt: Bei immer mehr seiner Autos macht die Bremse Probleme
Er muss schnell wissen, woher der Fehler kommt und welche Autos betroffen sind
Die Antwort liegt oft tief in der Lieferkette. Denn die Teile der Bremse kommen von Zulieferern, und deren Teile wieder von anderen Zulieferern
Heute telefoniert man sich durch, von Lieferant zu Lieferant. Das dauert. Also ruft der Hersteller im Zweifel alle Autos mit dieser Bremse zurück
Mit Catena-X geht die Anfrage automatisch von Stufe zu Stufe durch die Lieferkette. Am Ende weiß der Hersteller, welche Autos genau das defekte Bauteil haben. Und kann sie gezielt zurückrufen.
Catena-X nennt dazu einen echten Fall. Da ging es nicht um eine Bremse, sondern um ein elektrisches Bauteil. Ohne Catena-X hätte der Hersteller 1,4 Mio. Autos prüfen müssen. Mit Catena-X waren es am Ende nur noch 14 Autos.
Mein Take
Im Gespräch mit Hanno ist mir klar geworden: Das Thema ist viel größer als ein Standard für Daten.
Es geht um einen Generationenkonflikt.
Auf der einen Seite: Konzerne, deren Organisationen über 100 Jahre gewachsen sind.
Auf der anderen Seite: eine neue Generation, die sie angreift. Viele davon sind fast noch Startups. Keine 20 Jahre alt.
Das zwingt die etablierten Unternehmen, sich neu zu erfinden.
Und genau dabei kann Catena-X helfen. Denn wer seine Daten über Catena-X teilen will, überdenkt automatisch auch die eigene Arbeitsweise. Die eingespielten Strukturen. Und das ewige „Haben wir schon immer so gemacht“.
So einen Impuls brauchen die etablierten Unternehmen gerade dringend.
Und dann ist da noch die Weltlage.
Was unsere Branche ausmacht, ist ihr globales Netzwerk. Lieferketten, die sich über die ganze Welt spannen. Das war für mich immer das, was die Autoindustrie so spannend gemacht hat.
Doch die Welt schottet sich gerade immer mehr ab. Zölle, Exportkontrollen, Handelsstreit.
Wir müssen also Wege finden, trotzdem global zusammenzuarbeiten. Und unsere Lieferketten am Laufen zu halten.
Catena-X ist so ein Weg. Denn was viele nicht wissen: Das ist eine globale Initiative. Catena-X ist auch in Nordamerika, Japan und China aktiv. Ziel ist, dass die Daten weltweit zusammenpassen.
Entstanden ist es aber in Europa. Und das ist für mich kein Zufall.
Technologisch fühlen wir uns als Europa ja oft abgehängt. Und irgendwie wie ein Spielball zwischen den USA und China.
Aber ich denke: Genau diese Position in der Mitte kann auch eine Stärke sein.
Wer einen Standard festlegt, bestimmt die Regeln für alle. Deshalb würden die USA wohl keinen Standard aus China übernehmen. Und China keinen aus den USA.
Genau das ist die Chance für Europa: die Spielregeln zu schreiben, nach denen unsere globale Autoindustrie weiter funktioniert. Auch in einer Welt, die auseinanderdriftet.
PS: Am Dienstag gibt's das Thema ausführlicher auf YouTube und im Podcast. Hier kommst du direkt zu allen Kanälen
PPS: So ein Netz funktioniert nur, wenn alle mitmachen. Viele kleine und mittlere Zulieferer sind noch nicht dabei. Wie du einsteigst, zeigt ein Webinar am 30.09. auf Deutsch. Hier geht's zur Anmeldung (Anzeige)
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