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Teilnehmen können nur 50. Wer sich anmeldet, hat die Chance dabei zu sein. Und wer keinen Platz bekommt, bekommt die Zusammenfassung.
Herzlich willkommen zur 132. Ausgabe von Der Autopreneur.
Wenn wir an Huawei denken, dann wohl an Smartphones, Spionage oder den Streit mit den USA.
An Autos denken die wenigsten.
Dabei ist Huawei in Chinas Autoindustrie heute einer der wichtigsten Player. 25 Automarken nutzen Huaweis Fahrassistenz. In den eigenen Stores stehen Autos neben Smartphones und Smartwatches.
Und mit 5 chinesischen Autobauern führen sie eine eigene Allianz. Die hat 2025 in China fast so viele Autos verkauft wie Tesla.
Nur: Huawei baut kein einziges eigenes Auto.
Stattdessen liefern sie die Technologie für die Autos anderer. Selbst Audi nutzt sie in China inzwischen. Und jetzt kommt raus: Huawei soll eine europäische Traditionsmarke retten.
Spätestens jetzt sollten wir uns die Firma also genauer anschauen. Wer ist Huawei und wie haben sie das alles geschafft?
Heute schauen wir uns an:
Wie in nicht mal 40 Jahren aus einem Startup ein Weltkonzern wurde
Warum Donald Trump Huawei fast zerstört hat. Und wie sie aus der Asche auferstanden sind
Und wie Huawei still und leise zu einer Macht im Auto wurde

Huawei ist viel mehr als ein Smartphone-Hersteller
Im Oktober letzten Jahres war ich in Shenzhen. Dort hat mich Huawei einen ganzen Tag lang rumgeführt.
Was hängen geblieben ist: Alles war perfekt inszeniert. Ein Level an Perfektion und Professionalität, das ich aus Europa nicht kenne.

Mein Besuch bei Huawei in Shenzhen (Oktober 2025)
Und mir wurde klar: Huawei ist kein Smartphone-Hersteller. Sondern ein Technologiekonzern. Eine Mischung aus Apple, Siemens und Nvidia.
2025 hat Huawei rund 108,5 Mrd. € Umsatz gemacht (zum Vergleich: Bosch 91 Mrd. €).
Der Umsatz nach Bereichen:
Netze für Mobilfunk und Internet: 42,6%
Smartphones und andere Geräte: 39,1%
Energie, also Solar, Stromspeicher und Laden: 8,8%
Cloud: 3,7%
Und das Auto: 5,1%
Dazu kommt: Huawei steckt 21,8% vom Umsatz in Forschung und Entwicklung. Das sind rund 23,7 Mrd. € (zum Vergleich: VW 19,4 Mrd. €).
Und all das hat Huawei in nicht mal 40 Jahren aufgebaut. Wie wird eine Firma so schnell so groß?
Vom Startup zum Weltmarktführer
1987 gründet Ren Zhengfei in Shenzhen die Firma Huawei. Er ist damals Anfang 40 und hat lange als Ingenieur für die Armee gearbeitet. Sein Startkapital: 21.000 Yuan. Nach heutigem Kurs keine 3.000 €.
Zuerst handelt Huawei mit Telefonanlagen. Also mit den Kästen, die damals die Telefongespräche verbinden. Anfang der 90er baut die Firma sie selbst.
In den großen Städten beherrschen damals ausländische Konzerne wie Ericsson und Siemens den Markt. Also fängt Huawei auf dem Land an. Und arbeitet sich von dort langsam in die Städte vor. 1998 sind sie in China die Nummer 1 bei Telefonanlagen.
Dann kommt der Mobilfunk. Und Huawei wächst mit: aus den Telefonanlagen wird Netzausrüstung. Sendemasten zum Beispiel.
Damit schaffen sie es nach Europa. 2005 kaufen British Telecom und Vodafone bei Huawei ein. Im selben Jahr kommen zum 1. Mal mehr Aufträge aus dem Ausland als aus China.
Und dann kommt das, wofür wir Huawei heute kennen: das Smartphone.
2007 stellt Apple das iPhone vor. Huawei baut zu der Zeit schon Handys. Aber vor allem billige White-Label-Geräte. Mobilfunkanbieter verkaufen sie unter eigenem Namen.
2011 ändert sich das. Ab jetzt baut Huawei hochwertige Smartphones unter eigener Marke. Doch wie kommt man gegen Apple und Samsung an?
Eine Antwort kommt aus Deutschland: Leica. Ab 2016 entwickeln Huawei und Leica die Kameras gemeinsam. Auf den Geräten steht der Name Leica.
Der Plan geht auf. 2018 ist Huawei der drittgrößte Smartphone-Hersteller der Welt. Hinter Samsung und Apple. Bei Netzausrüstung sind sie sogar Weltmarktführer.
Alles scheint perfekt.
Trump gegen Huawei
Huaweis Erfolg hat eine Schwachstelle: die USA.
Fast alle Produkte von Huawei brauchen Chips. Einige Chips entwerfen sie selbst. Aber viele kauft man bei US-Firmen wie Qualcomm und Intel. Und auf den Smartphones läuft Android von Google.
Solange sich die USA und China verstehen, ist das kein Problem. Aber die US-Regierung traut Huawei schon lange nicht. Sie hat Angst, dass China über Huaweis Netze spioniert. Die Firma hat das immer bestritten.
2018 beginnt Donald Trump einen Handelsstreit mit China. Huawei gerät zwischen die Fronten. Im August verbietet ein neues Gesetz den US-Bundesbehörden, Huawei-Technologie zu kaufen.
Der Streit eskaliert.
Am 01.12.2018 landet eine Frau in Vancouver. Eigentlich will sie weiter nach Mexiko. Doch noch am Flughafen nimmt die kanadische Polizei sie fest. Auf Wunsch der USA.
Die Frau heißt Meng Wanzhou. Sie ist Finanzchefin von Huawei und die Tochter des Gründers. Der Vorwurf der USA: Die Firma macht Geschäfte im Iran, obwohl US-Sanktionen das verbieten. Und Meng soll das gegenüber Banken verschleiert haben.
Sie kommt gegen Kaution frei, muss aber knapp 3 Jahre in Vancouver bleiben. Mit Fußfessel.
Im Mai 2019 setzen die USA Huawei dann auf eine Blacklist.
Das hat 2 Folgen:
Firmen aus den USA dürfen Huawei nur noch mit Genehmigung der US-Regierung beliefern
Neue Huawei-Smartphones bekommen keine Google-Services mehr (Play Store, Maps, YouTube)
Das Geschäft bricht ein.
Einen Monat später verkauft Huawei außerhalb Chinas 40% weniger Smartphones. Vor allem in Europa: Hier ist Huawei damals die Nummer 2 hinter Samsung. Aber ohne Google haben sie keine Chance.
Und es bleibt nicht bei den Handys. Immer mehr Länder in Europa schließen Huawei aus ihren 5G-Netzen aus.
Für Huawei ist das ein Black Swan Moment: ein seltenes Ereignis, mit dem keiner rechnet und das alles verändert.
Mit dem keiner rechnet? Nicht ganz.
Das Comeback ohne die USA
Was viele nicht wissen: Bei Huawei gehört dieser Black Swan zur Firmenkultur. Auf dem Campus schwimmen echte schwarze Schwäne. Die Message: immer mit dem Unerwarteten rechnen.
Und in gewisser Weise waren sie vorbereitet.
Die eigene Chipsparte entwickelt damals seit Jahren einen Ersatz für die Chips aus den USA. Intern heißen diese Chips „Ersatzreifen“.
In der Nacht nach der Blacklist schreibt die Chefin der Chipsparte an alle Mitarbeiter: Ab sofort kommen die Ersatzreifen zum Einsatz.
Auch für Android hat Huawei einen Ersatz. Im August 2019 stellen sie ein eigenes Betriebssystem vor: HarmonyOS.
Aber trotz aller Vorbereitung trifft es Huawei hart.
2020 verschärfen die USA die Regeln. Huawei entwirft seine Chips zwar selbst, bauen lässt es sie aber in fremden Fabriken. Und jetzt darf keine Chipfabrik mehr Chips für Huawei fertigen, wenn sie US-Maschinen nutzt. Und das tun fast alle.
Huawei hat keine Chips mehr. Nicht mal die eigenen.
Damit bricht auch das Smartphone-Geschäft in China ein. In den Stores fehlen auf einmal die Handys. 2021 sinkt der Umsatz des ganzen Konzerns um 28,5%.
Erst 2023 kommt wieder ein Smartphone mit eigenem Chip, gebaut in China. 2025 ist der Umsatz fast wieder so hoch wie vor dem Einbruch.
Mitten in der Krise passiert aber noch was anderes.

Huaweis Comeback nach den US-Sanktionen (Huawei)
Warum Huawei ins Autogeschäft einsteigt
Im Mai 2019 gründet Huawei eine Sparte für Autos. Also nicht mal 2 Wochen nach der Blacklist.
Klingt erst mal unlogisch: Huawei kämpft gerade ums Überleben. Warum steigt man da in eine neue Branche ein?
Weil in China damals eine neue Autoindustrie entsteht. Die Kunden wollen immer mehr Software, Vernetzung und Fahrassistenz. Und gerade die alten Autobauer kommen da nicht mit.
Genau das ist aber Huaweis Kerngeschäft:
Software und künstliche Intelligenz
die Vernetzung
die Elektronik für E-Antrieb und Laden
Der Einstieg ist also gar nicht so unlogisch. Die Frage ist nur: Wie kommen sie ins Autogeschäft?
In der Theorie gibt es 2 Wege:
Selbst Autos bauen wie Xiaomi
Zulieferer werden wie Bosch
Eigene Autos will Huawei nicht bauen. Dann müssten sie gegen alle anderen Autobauer antreten. Als Zulieferer können sie dagegen mit allen zusammenarbeiten. Und bringen ihre Technologie so in viel mehr Autos.
Die Strategie fassen sie damals so zusammen:
Wir bauen keine Autos. Wir helfen den Autobauern, gute Autos zu bauen
Die Autoindustrie braucht Huawei. Sie braucht nicht die Marke Huawei
Huawei will also Zulieferer werden.
Es gibt nur ein Problem: Die Autobauer haben Angst vor Huawei.
Denn Huawei liefert eben nicht irgendein kleines Teil. Sondern Software, Chips und Fahrassistenz. Den Teil, der zunehmend den Wert und das Erlebnis des Autos ausmacht.
2021 wird der Chef von SAIC gefragt, ob sie beim automatisierten Fahren auf Huawei setzen. Seine Antwort: Dann wäre Huawei die Seele des Autos. Und SAIC nur noch der Körper. Das kommt für ihn nicht in Frage.
Huawei muss also einen Weg finden, seine Technologie trotzdem in möglichst viele Autos zu bringen.
Die Geburt von Huaweis Auto-Allianz
Und diesen Weg finden sie: Zusammen mit chinesischen Autobauern gründet Huawei komplett neue Automarken. Vorne drauf steht aber nicht Huawei.
Das läuft so:
Huawei entwickelt das Auto mit, liefert den Großteil der Technologie und verkauft es
Der Autohersteller baut das Auto. Verkauft es sich schlecht, trägt er den Verlust
Damit geht Huawei keinen der 2 klassischen Wege. Sie werden weder Autobauer noch Zulieferer. Sondern irgendwie beides gleichzeitig.

Huaweis Weg ins Auto
Und Huawei hat noch was, das kein Zulieferer hat: eigene Stores. In China sind es über 5.000. In vielen davon fehlen nach dem US-Bann die Smartphones. Also stellen sie dort Autos rein.
Die erste gemeinsame Marke startet Ende 2021: Aito. Zusammen mit dem Autobauer Seres.
Das Modell funktioniert. Also machen sie dasselbe mit 4 weiteren Autobauern:
Luxeed mit Chery
Stelato mit BAIC
Maextro mit JAC
Und Shangjie mit SAIC
Ja: dasselbe SAIC, das am Anfang Angst vor Huawei hatte.
Huawei nennt es die HIMA-Allianz. Das steht für Harmony Intelligent Mobility Alliance. Benannt nach dem eigenen Betriebssystem Harmony.
In den Autos steckt fast alles, was Huawei kann:
die Fahrassistenzsysteme mit den Chips dafür
das Cockpit mit dem eigenen Betriebssystem
der E-Antrieb aus dem Energie-Geschäft
Wo Huawei heute steht
2024 macht Huaweis Autosparte zum 1. Mal Gewinn
2025 wächst ihr Umsatz um 72% auf rund 5,5 Mrd. €
Die Allianz verkauft im selben Jahr in China rund 589.000 Autos (zum Vergleich: Tesla verkauft dort 626.000, Xiaomi rund 412.000)
Läuft also gut. Zumindest in China. Das Problem: Die Allianz verkauft fast nur dort. Und dieser Markt konsolidiert sich gerade. Viele Automarken verschwinden wieder.
Wer überleben will, muss expandieren.
Und genau das könnte jetzt kommen: Zum 1. Mal soll eine europäische Marke Huaweis Technologie bei uns verkaufen.
Maserati hat 2025 weltweit keine 8.000 Autos verkauft. So viele schafft die Huawei-Allianz in China in nicht mal 5 Tagen. Jetzt will Stellantis die Marke mit Technologie von Huawei retten. Das ist zumindest das Gerücht.
Geplant sind wohl 2 gemeinsame Modelle. Die Technologie kommt von Huawei. Bauen soll sie JAC. In Europa sollen sie dann als Maserati verkauft werden.
Die Ironie: Nach der Blacklist wurde Huawei praktisch aus Europa verbannt. Jetzt könnten sie ausgerechnet über das Auto zurückkommen.
Mein Take
Egal, was man von Huawei hält: Es ist schon eine extrem spannende Case Study. Vor allem eine über Abhängigkeiten.
Huawei war abhängig von Technologie aus den USA. Und genau diese Abhängigkeit hat sie fast ruiniert.
Dieser Schock hat sie gezwungen, alles Wichtige selbst zu entwickeln.
Heute sind sie wohl unabhängiger als je zuvor.
Und das zahlt sich jetzt im Auto aus. Denn sie beherrschen die Technologien, die dort immer wichtiger werden.
Deshalb nennen viele Huawei auch das Bosch aus China. Ich denke aber: Das passt nicht ganz.
Bosch ist ein klassischer Zulieferer. Sie liefern Teile an Autohersteller. Und sind im Zweifel eben austauschbar.
Genau das ist das Geniale an Huaweis Geschäftsmodell: Sie haben einen Weg gefunden, Zulieferer zu sein, aber nicht austauschbar. Denn sie haben die Marken mitgegründet.
Also: Was können wir mitnehmen?
Schauen wir nach Europa. Stellantis verkauft hier chinesische Autos von Leapmotor. Ein neuer Opel soll auf der Technologie von Leapmotor aufbauen. VW setzt in China auf die Technologie von Xpeng. Und wird diese Modelle über kurz oder lang sicher auch nach Europa bringen.
Das heißt: Europäische Hersteller machen sich immer abhängiger von Technologie aus China.
Und genau hier sehe ich die Parallele zu Huawei. Denn der Fall zeigt uns, wie gefährlich solche Abhängigkeiten sein können.
Wenn Maserati funktioniert, bleibt es sicher nicht bei Maserati. Dann stehen wir da, wo der SAIC-Chef 2021 nie hinwollte: Die Seele kommt aus China. Und wir liefern nur noch den Körper.
Huawei hat sich jahrelang auf seinen Black Swan Moment vorbereitet. Und als er kam, haben sie reagiert.
Ich denke: Das ist der Punkt, den wir mitnehmen können. Das Risiko von technologischer Abhängigkeit sehen. Und vorbereitet sein.
Selbst wenn dieser Moment hoffentlich niemals kommt.
PS: Am Montag gibt's das Thema ausführlicher auf YouTube und am Dienstag im Podcast.
In eigener Sache
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