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Sehen wir uns in 3 Wochen auf der Vehicle Tech Week in Stuttgart?

Die Vehicle Tech Week bringt 3 Welten unter ein Dach:

  • Automotive Testing

  • Autonomous Vehicles

  • Automotive Interiors

Vom 23. bis 25. Juni in der Messe Stuttgart.
Praktisch vor meiner Haustür.

Über 10.000 Teilnehmer aus der Branche. Mercedes, BMW, Ford, Volvo, NVIDIA, Waymo und BYD sind vor Ort.

Der Eintritt ist kostenlos. Eigentlich ein No-Brainer für jeden, der in der Branche arbeitet.

Herzlich willkommen zur 120. Ausgabe von Der Autopreneur.

Bis 2035 fällt 1/4 der Arbeitsplätze in der deutschen Autoindustrie weg.

Der VDA sagt: 100.000 sind seit 2019 schon weg. 125.000 weitere sollen folgen.

Und es trifft nicht nur die Autobranche. In der deutschen Industrie gehen seit gut 2 Jahren Monat für Monat über 10.000 Jobs verloren.

Audi-Chef Gernot Döllner sagt intern:

„Es geht längst nicht mehr um ein einzelnes Modell oder um Marktanteile hier oder dort. Es geht um den Fortbestand der deutschen Automobilindustrie."

Das ist viel auf einmal. Und es klingt nach Ende.

Trotzdem bekomme ich jede Woche Nachrichten wie diese: Schreib doch auch mal was Positives über die deutsche Autoindustrie. Meistens mit dem Verweis auf ein neues Modell. Ich verstehe das.

Aber ich denke: Es gibt genug Medien, die diese Erfolge feiern. Mein Job ist rauszoomen.

Wohin entwickelt sich die Branche als Ganzes? Die einzelnen Meldungen zu einem Bild zusammensetzen. Und den Entscheidern die richtigen Impulse geben.

Und wenn ich rauszoome, sieht es leider nicht gut aus.

Die Zeit der Automobilnation Deutschland ist vorbei.

Heute schauen wir uns an:

  • Warum Automotive in Deutschland nicht mehr funktioniert

  • Warum der Kampf gegen China ein Kampf der Systeme ist, den wir so nicht gewinnen können

  • Warum wir bei 3 Auto-Technologien zu spät waren

  • Und wie wir da wieder rauskommen

Warum Automotive in Deutschland nicht mehr funktioniert

Das Erfolgsmodell „Made in Germany" stand immer auf 4 Bausteinen:

  1. Komplexität: Ein Verbrennungsmotor ist eines der kompliziertesten mechanischen Geräte überhaupt. Tausende Teile, Toleranzen im Mikrometer-Bereich. Das konnten wir besser als jeder andere. Das war unser Burggraben

  2. Industrie-Ökosystem: Hersteller, Zulieferer, Forschungsinstitute Tür an Tür. Stuttgart, München, Wolfsburg, Ingolstadt. Hunderte Player auf engstem Raum, die sich gegenseitig zu Höchstleistungen angespornt haben

  3. Billige Energie aus Russland

  4. Gewinne aus China: Seit den 1990ern unser größter Wachstumsmarkt. Wir haben in Deutschland entwickelt und in China verkauft. Jedes Jahr mehr. Jahrzehntelang ist das Geld einfach reingekommen. Cash war nie das Problem

Aus diesen 4 Bausteinen ist eine Geschichte entstanden, die weltweit funktioniert hat: Ein deutsches Auto steht für Qualität und High-Tech. Deshalb konnten Mercedes, BMW und Audi überall einen Aufpreis verlangen. Teurer, aber besser. Das war die Story.

Heute bröckeln alle 4 Bausteine gleichzeitig:

  • Der Verbrennungsmotor wird immer unwichtiger

  • Das Ökosystem wandert ins Ausland

  • Das russische Gas ist weg

  • Und China kauft immer weniger deutsche Autos

Volkswagen, Mercedes und BMW verkaufen in China heute fast 1/3 weniger als 2018. Und das, obwohl der Gesamtmarkt im selben Zeitraum um rund 1/4 gewachsen ist. Der Markt boomt, nur ohne uns. Die Cash-Maschine läuft nicht mehr.

Und auch die Geschichte „Deutschland = High-Tech" trägt nicht mehr. Weil deutsche Autos dort nicht mehr führend sind, wo High-Tech heute definiert wird: beim Elektroantrieb, bei der Software, bei der KI.

Das meiste davon führt nach China. Also schauen wir als Nächstes dorthin.

Warum der Kampf gegen China ein Kampf der Systeme ist

China hat in wenigen Jahren eine eigene Autoindustrie aufgebaut. Eine, die uns überholt hat. In Deutschland hat das lange keiner ernst genommen.

Geschafft haben sie das mit einem Leapfrog. Das heißt: eine ganze Entwicklungsstufe überspringen.

China hat früh gemerkt, dass es uns im klassischen Automarkt nie einholen würde. Den Verbrenner haben wir 100 Jahre lang perfektioniert. Da kommt keiner ran.

Also haben die Chinesen den Verbrenner übersprungen. Und sich gefragt: was kommt als Nächstes?

Das elektrische, software-definierte Auto.

Erfunden haben sie es nicht selbst. Sondern einfach bei Tesla abgeschaut.

Sie haben nur früher verstanden, dass genau darin die Zukunft liegt. Und wer den größten Automarkt der Welt kontrolliert, kann diese Zukunft selbst mitgestalten.

Das ist sogar offizielle Methode in Chinas Industriepolitik: erst übernehmen, dann verstehen, dann selbst besser machen. So lief es bei den Hochgeschwindigkeitszügen, bei Solar, bei KI. Und eben auch beim Auto.

Und das alles war nur aus einem Grund möglich: China tritt als ganzes System an.

Stell dir 2 Fußballmannschaften vor:

Die eine hat einen Trainer. Er gibt die Taktik vor, bestimmt die Aufstellung und wechselt aus, wer nicht liefert. Alle 11 spielen auf dasselbe Tor.

Die andere hat keinen Trainer. 11 Einzelspieler auf dem Platz. Jeder hat seine eigene Strategie. Und jeder will selbst das Tor schießen.

Das ist China gegen uns. Kollektiv gegen Einzelspieler.

Was das heißt? Bei uns kämpft jedes Unternehmen für sich. Jeder Konzern verfolgt seine eigene Strategie.

In China läuft es anders. Da arbeitet eine ganze Volkswirtschaft auf ein Ziel hin. Hunderte Unternehmen, 1,4 Mrd. Menschen.

Über den Strategien der einzelnen Firmen liegt ein Masterplan des Staates. Eine nationale Industriestrategie, die vorgibt, wohin die Reise geht.

Natürlich konkurrieren die Unternehmen trotzdem untereinander. Sollen sie sogar. Aber am Ende ziehen alle am selben Strang.

Und es ist von Anfang an eingeplant, dass die meisten dabei untergehen. Genau das ist der Sinn. Das Ziel ist, Weltmarktführer zu züchten.

So läuft das chinesische Playbook in 5 Schritten:

  1. Der Staat schafft den Rahmen. Kapital, Förderung, Marktzugang, Talente, Infrastruktur

  2. Hunderte Startups springen rein. Ein ganzes Ökosystem entsteht

  3. Überangebot wird bewusst zugelassen. Mehr Angebot als Nachfrage

  4. Wer nicht effizient und innovativ ist, stirbt. Brutaler Wettbewerb auf engstem Raum

  5. Die Überlebenden sind unschlagbar. So sind BYD und CATL entstanden. Heute der größte E-Auto-Hersteller und der größte Batteriehersteller der Welt

VW-Chef Oliver Blume meinte neulich: „Unser Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr. Nicht bei Volkswagen. Nicht für Deutschland insgesamt."

Er meint damit mehr als ein Geschäftsmodell. Er meint ein ganzes System, das aus der Zeit gefallen ist. Unser System. Jeder kämpft für sich. Gegen einen Gegner, der als Kollektiv antritt. Mit Plänen, die über Jahrzehnte verfolgt werden.

Und es kommt noch schlimmer. Denn das Auto selbst wird gerade zu etwas völlig Neuem.

Software frisst das Auto

Marc Andreessen hat 2011 einen Satz geschrieben, der zur wichtigsten These des Jahrzehnts geworden ist: „Software is eating the world."

Mit dem Satz konnten wir in Deutschland nie viel anfangen. Wir haben immer erst verstanden, was er bedeutet, wenn es schon passiert war:

  • 2007 das Telefon. Nokia war Weltmarktführer. Dann kam das iPhone. Heute baut Nokia keine Handys mehr

  • 2015 die Musik. Früher die CD im Regal. Dann kam Spotify. Heute besitzt niemand mehr Musik

  • 2020 das Banking. Früher die Filiale mit Schalter und Berater. Dann kamen N26 und Revolut. Heute ist die Bank eine App

Jedes Mal dasselbe Muster. Eine Branche, jahrzehntelang stabil. Dann kommt Software und schreibt die Regeln neu. Und die alten Marktführer verschwinden.

Und genau das passiert jetzt mit dem Auto. Nur kam die Welle hier nicht einmal, sondern dreimal. Erst wurde der Antrieb elektrisch. Dann wurde das Auto zur Software. Jetzt übernimmt die KI das Steuer. Jede Welle baute auf der davor auf. Und jede kam schneller. Bei jeder waren wir zu spät. Die dritte läuft gerade.

Deutsche Autobauer kamen 3x zu spät auf die Party

Das Auto ist heute nicht mehr das Auto, das wir kannten. Es ist ein Computer auf Rädern. Ein Roboter, der selbst fährt. Das Herz ist eine Softwareplattform. Darauf läuft alles: Fahren, Assistenz, KI. Das Blech drumherum wird zur Nebensache.

Die neue Generation der Hersteller baut deshalb komplett anders. Erst die Software, dann das Auto. Sie ticken wie ein Tech-Konzern, nicht wie ein Autobauer.

Und genau hier wird es für uns gefährlich. Wenn das Produkt ein grundlegend anderes wird, brauchst du eine grundlegend andere Organisation, um es zu bauen. Eine andere Kultur. Andere Prozesse. Andere Köpfe. Du musst deinen Konzern einmal komplett auf links drehen.

Doch das schafft fast keiner. Die deutschen Hersteller versuchen genau diesen Umbau seit über 10 Jahren. Und bekommen es bis heute nicht hin.

Aber warum ist das so?

Man hat diese Konzerne über 100 Jahre auf eine einzige Aufgabe getrimmt: eine fertige Technologie immer weiter auszureizen. 3% Kosten raus, 5% Effizienz rein.

Der Apparat hat die Optimierer nach oben gespült und die Erfinder aussortiert. Das war jahrzehntelang goldrichtig.

Heute zählt eine ganz neue Technologie. Und genau das fällt ihnen jetzt auf die Füße. Etwas Bestehendes perfektionieren und etwas Neues erfinden: das sind 2 völlig verschiedene Sportarten. Eine Firma kann fast nie beides.

Volkswagen hat es mit seiner Software-Tochter CARIAD versucht. 6.000 Entwickler, über 12 Mrd. €. Am Ende hat die alte Organisation die neue erstickt.

Und hier will ich kurz was klarstellen: In den Konzernen sitzen viele Menschen, die genau das aufbrechen wollen. Sie kämpfen nur gegen ein System, das sich nicht ändern will. Das Problem sind nicht die Menschen. Das Problem ist die Maschinerie, in der sie stecken.

Das ist der eine Grund, warum die deutschen Hersteller zu Hause nicht weiterkommen.

Es gibt einen zweiten. Den unbequemsten.

Der deutsche Kunde will das Auto der Zukunft gar nicht. Er will ein solides Auto, so wie er es kennt. Den ganzen digitalen Schnickschnack braucht er nicht.

Beim Verbrenner war das anders. Deutschland war das Versuchslabor. Deutsche Hersteller konnten hier entwickeln und die neueste Technologie direkt mit Kunden testen. Was hier funktioniert hat, wurde dann in die ganze Welt verkauft. Das war unser Erfolgsmodell.

Heute funktioniert das nicht mehr. Das Auto von morgen will hier keiner. In China schon.

Beides zusammen treibt die deutschen Autokonzerne aus dem Land. Zu Hause fehlt die Organisation, die das neue Auto bauen kann. Und der Markt, der es will. Also gehen sie dorthin, wo beides da ist.

Deshalb verlagern VW und Bosch ihre Entwicklung nach China. Und deshalb sagt Mercedes-Chef Ola Källenius: „Ich bin Chinese."

Und es sind leider nicht die Fabriken, die abwandern. Es ist die Entwicklung. Das Know-how. Das Wertvollste, was wir haben. Sie entwickeln das Auto der Zukunft jetzt 8.000 Kilometer entfernt. Das Auto, das hier niemand will.

Im Kern geht es um eine Sache: Die Unternehmen müssen sich neu erfinden. Als Software-Firma. Und das hat in der Geschichte fast nie funktioniert. Nokia, die Musik, die Banken. Wenn die Software-Welle eine Industrie erfasst, gewinnen am Ende immer die Newcomer. Nicht die alten Marktführer.

Die deutschen Autokonzerne wollen die Ausnahme sein. Aber im alten Konzern ist das kaum möglich. Also suchen sie sich einen Ort, an dem sie nochmal bei null anfangen können. Weit weg vom alten Apparat. Mit neuen Leuten, die das alte Denken nicht im Blut haben.

Mein Take

Ich sage das alles nicht von außen. Ich bin seit 2011 in dieser Branche. Und meine eigene Existenz hängt daran. Wenn sie kippt, trifft es auch mich.

Bevor wir nach vorn schauen, müssen wir trotzdem ehrlich mit uns sein. Wir geben in der Autoindustrie nicht mehr den Takt vor. Wir laufen hinterher. Automotive wird für Deutschland wohl nicht mehr das, was es mal war. Dafür ist zu viel passiert.

Das Auto war bei uns nie nur ein Produkt. Es war immer auch ein Stück Identität. Sag im Ausland, dass du aus Deutschland kommst. Dann kommt fast immer dasselbe: Fußball, Bier und Autos. Genau deshalb tut es weh, wenn das wegbricht. Und genau deshalb mache ich das hier. Weil es nicht nur um Autos geht. Sondern um uns.

Das Ende des Autos ist nicht das Ende von Deutschland.

Die Frage ist also nicht: Wie holen wir das Auto zurück? Sie ist: Wie sichern wir unseren Wohlstand, wenn das Auto ihn nicht mehr trägt?

Und genau da liegt unser Problem. Wenn bei uns eine Industrie strauchelt, dreht sich alles ums Bewahren. Das Steuergeld, die Lobby, die ganze Debatte. Alles fließt in den Erhalt des Alten. Fast nichts in den Aufbau des Neuen.

Diesmal sollten wir es anders machen.

1) Den eigenen Markt schützen:

Bei uns hört man ja immer: Die Politik soll sich raushalten, der Markt regelt das schon. Offene Grenzen, fairer Wettbewerb, der Beste gewinnt. Das hat uns reich gemacht. Aber heute ist dieser Glaube vor allem eins: Naiv.

Denn der freie Markt funktioniert nicht gegen einen Gegner, der als System spielt und sich nicht an die Regeln hält. Ein System schlägst du nur als System. Dazu gehört auch, den eigenen Markt abzuschotten. Unbequem. Aber genau das machen China und die USA auch.

Aber eine Mauer schützt nur den, der dahinter etwas aufbaut. Es geht nicht ums Dichtmachen. Es geht um einen Deal: Wer bei uns verkaufen will, soll auch etwas dalassen. Hier produzieren, Technologie teilen, gute Jobs schaffen. Marktzugang gegen echte Wertschöpfung. Genau das hat China jahrelang von uns verlangt.

Der frühere EZB-Chef Mario Draghi hat das 2024 in seinem EU-Wettbewerbsbericht beschrieben. Europa muss aufhören, brav zu sein. Alle anderen machen Industriepolitik mit harten Bandagen. Europa muss als ein Akteur auftreten und über Jahre an einer Strategie arbeiten. Wenn wir „zusammen" sagen, meinen wir meist nur 27 Außenminister mit einer Stimme. Das reicht nicht. Wir brauchen Industrie und Politik, die über Jahrzehnte am selben Plan arbeiten. Dass das geht, hat Airbus bewiesen. Mehrere Länder haben sich zusammengetan und gemeinsam Milliarden investiert. Heute teilt sich Airbus mit Boeing den Weltmarkt.

2) Das Neue aufbauen:

Das war die Verteidigung. Aber damit sichern wir nicht unseren Wohlstand. Denn der kommt in Zukunft nicht mehr vom Auto. Er kommt aus den Industrien, die es heute noch gar nicht gibt.

Und da lohnt der Blick auf China. Die waren selbst mal genau da, wo wir heute stehen. Abgehängt, ohne Chance, den Vorsprung der anderen je aufzuholen. Ihre Antwort war der Leapfrog. Nicht da kämpfen, wo das Spiel längst entschieden ist. Sondern da einsteigen, wo es gerade erst beginnt. Vor die Welle kommen. Genau das müssen wir jetzt tun.

Wir müssen die Märkte finden, in denen wir uns einen Vorsprung für Jahrzehnte erarbeiten können.

Und dann müssen wir dranbleiben. Mit langem Atem. Genau daran sind wir schon einmal gescheitert. Vor gut 15 Jahren war Deutschland Weltmarktführer bei Solar. Wir waren vor der Welle. Dann haben wir die Förderung gekürzt. Die Chinesen haben weiter subventioniert und den Markt übernommen. Unsere Industrie hat das nicht überlebt. Heute kommt fast jede Solarzelle aus China.

Noch leben wir von den Industrien des letzten Jahrhunderts. Aber sie haben ein Ablaufdatum. Und wenn bis dahin nichts Neues da ist, haben wir nichts mehr.

Am Ende läuft alles auf eine einzige Frage hinaus. Stecken wir unser Geld und unsere Energie weiter in den Erhalt von gestern? Oder in den Aufbau von morgen?

Die Zeit der Automobilnation Deutschland ist vorbei. Aber was als Nächstes kommt, entscheiden wir selbst.

PS: Am Dienstag gibt es das Thema ausführlicher im Podcast und auf YouTube. Wenn du keine Folge verpassen willst, einfach abonnieren.

🔗 vda | jobs | audi | china | solar | draghi

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