In eigener Sache
Was soll ich als Nächstes bauen? Du entscheidest.
Vor 2 Jahren habe ich die erste Ausgabe dieses Newsletters verschickt. Heute sind wir über 39.000. Dazu kamen der Podcast und YouTube.
Jetzt stehe ich an einem Punkt, an dem ich entscheiden muss, was als Nächstes kommt. Und statt das alleine zu entscheiden, frage ich dich. Was dich bewegt, was du brauchst und was als Nächstes kommen soll.
8 kurze Fragen. Keine 2 Minuten.
Herzlich willkommen zur 112. Ausgabe von Der Autopreneur.
Letztes Jahr hatten wir alle dasselbe Gefühl: BYD übernimmt.
4,6 Mio. Autos verkauft. Mehr als BMW und Mercedes zusammen. Tesla überholt. Und gefühlt expandieren sie auf alle Weltmärkte gleichzeitig.
Jetzt sind die Geschäftszahlen für 2025 da. Und die ersten Daten für 2026. Sie erzählen eine andere Geschichte. Der Gewinn ist um 19% gefallen. Bereinigt um Subventionen sogar um die Hälfte. Und in China ist BYD Anfang 2026 von Platz 1 auf Platz 4 abgerutscht.
Was stimmt also? Marschiert BYD durch? Oder stürzt der Shooting Star gerade ab?
Die Antwort ist weder das eine noch das andere. Und sie betrifft die europäische Autoindustrie direkter als die meisten glauben.

Was sagen die Zahlen wirklich?
Absatz: 4,6 Mio. Fahrzeuge (+7,7%)
Umsatz: +3,5% (schwächstes Wachstum seit 6 Jahren)
Nettogewinn: 32,6 Mrd. Yuan (ca. 4,1 Mrd. €), -19%
Q4-Gewinn: -38%
Bruttomarge (Auto): 20,5% (von 22,3%)
Nettomarge: 4,1% (von 5,2%)
Staatssubventionen: 12,47 Mrd. Yuan (ca. 1,6 Mrd. €) = 38,2% des Nettogewinns (2024: 25,9%)
Gewinn ohne Subventionen: ca. 20,1 Mrd. Yuan / 2,6 Mrd. € (-50%)
+7,7% mehr Autos, aber nur +3,5% mehr Umsatz. BYD verkauft mehr Fahrzeuge zu niedrigeren Preisen.
Der Gewinnrückgang hat sich über 2025 beschleunigt. Im 1. Quartal hat sich der Gewinn fast verdoppelt. Im 3. Quartal: -33%. Im 4. Quartal: -38%.
BYD-Gründer Wang Chuanfu sagt: Der Wettbewerb hat seinen Höhepunkt erreicht. China ist in einer "brutalen Ausscheidungsphase".

BYDs Absatz steigt, Gewinn fällt (BYD Geschäftsbericht 2025, CnEVPost)
Warum BYD in China auf Platz 4 abgerutscht ist
Anfang 2026 steht BYD hinter VW, Geely und Toyota. Der Absatz ist seit 7 Monaten rückläufig. Allein im Q1 2026: -30% zum Vorjahr. Der NEV-Marktanteil ist innerhalb eines Jahres von 33% auf 24,6% eingebrochen.
3 Faktoren setzen BYD gleichzeitig unter Druck:
1) Der Preiskrieg:
Seit Mitte 2025 senken alle großen Hersteller gleichzeitig die Preise. BYDs Margen sind dabei schneller gefallen als die der Konkurrenz. Der Grund: BYD ist im Volumensegment am stärksten vertreten. Genau da ist der Preiskampf am härtesten. Das hat den Gewinneinbruch in der 2. Jahreshälfte 2025 ausgelöst.
2) Neue Wettbewerber:
Das ist vielleicht die größte Ironie der ganzen Geschichte. BYD war jahrelang der Newcomer, der die Etablierten überrollt. Jetzt sind sie selbst der Etablierte. Und die nächste Welle überrollt sie.
Der Smartphone-Hersteller Xiaomi hat im Juni 2025 in einer Stunde knapp 290.000 Vorbestellungen für den YU7 gesammelt. Huaweis Auto-Allianz HIMA gewinnt im E-Auto-Segment rapide Marktanteile. Diese Konkurrenten kommen aus dem Tech-Sektor. Sie bringen eigene Ökosysteme, Software-Mindset und Markenloyalität mit.
BYD kommt aus dem Batteriegeschäft. Software war nie ihr Home Turf. Aber genau da entscheidet sich gerade der chinesische Markt.
3) Die politische Neuordnung ab 2026:
Und dann der wohl wichtigste Punkt. China ändert die Spielregeln für E-Auto-Käufer. Zwei Änderungen gleichzeitig.
Erstens die Abwrackprämie. Bisher hat der Staat jedem, der ein altes Auto verschrottet und ein neues E-Auto kauft, pauschal ca. 2.600 € gezahlt. Egal ob das neue Auto 10.000 € oder 40.000 € kostet. Das heißt: Günstige Autos haben überproportional profitiert. Genau BYDs Kerngeschäft.
Jetzt hat China die Prämie auf 12% des Kaufpreises umgestellt. Für BYDs Einstiegsmodell Seagull (ca. 10.000 €) heißt das: nur noch ca. 1.250 € statt 2.600 €. Teurere Modelle profitieren dagegen stärker als vorher.
Zweitens die Kaufsteuer. In China zahlen Autokäufer eine Steuer von 10% auf den Kaufpreis. Vergleichbar mit unserer Mehrwertsteuer. E-Auto-Käufer waren über 10 Jahre komplett davon befreit. Seit 2026 zahlen sie 5%. Noch halb so viel wie bei Verbrennern, aber nach einem Jahrzehnt bei null ist das ein spürbarer Aufschlag.
Beide Änderungen zusammen treffen BYD doppelt.
BYD baut ausschließlich E-Autos & Plug-in Hybride. Jede Subventionskürzung und jede neue Steuer trifft das gesamte Geschäft. Geely verkauft daneben ca. 146.000 Verbrenner im Monat, die davon nicht betroffen sind.
BYD ist vor allem im günstigen Volumensegment stark. Genau dort wirkt die Umstellung der Abwrackprämie am härtesten.
BYDs Subventionen helfen in China. Und schaden in Europa
BYD steckt in einer Zwickmühle.
In China braucht BYD staatliche Subventionen, um im Preiskampf mitzuhalten. Allein 2025 hat BYD rund 1,6 Mrd. € an Subventionen erhalten. Fast 40% des Gewinns. Ohne diese Hilfe wäre der Gewinn nicht um 19% gefallen. Sondern um rund 50%.
In Europa nutzt die EU genau diese Subventionen als Begründung für Strafzölle. BYD zahlt 17% Strafzoll auf jedes importierte Auto. Dazu kommen 10% regulärer Importzoll. Zusammen 27%. Die Begründung: unfaire staatliche Beihilfen. Die 1,6 Mrd. € aus BYDs Geschäftsbericht sind das zentrale Beweisstück.
Die Ironie: Die Subventionen helfen BYD, in China im Wettbewerb zu bestehen. Und sorgen gleichzeitig dafür, dass der Export nach Europa teurer wird. Je mehr Subventionen, desto stärker das Argument für europäische Zölle.
Wang Chuanfu sagt dazu: BYD hat 2025 rund 6,9 Mrd. € an Steuern in China gezahlt. Netto 5,3 Mrd. € mehr als an Subventionen zurückgeflossen sind.
Stimmt. Ändert aber nichts daran, dass fast 40% des Gewinns aus Subventionen stammen. Und genau das ist die Grundlage für die EU-Zölle.
Was macht BYD unter diesem Druck? Sie flüchten aus China.

BYDs Exporte: Von 56.000 auf über 1 Million in 3 Jahren (CnEVPost, Reuters)
Die Flucht nach Europa
1,05 Mio. Exporte in 2025. 150% mehr als im Vorjahr. In Europa hat BYD Anfang 2026 Tesla bei den Neuzulassungen überholt.
Der Grund ist einfach: BYD verdient pro Auto in China im Schnitt rund 650 €. Im Export sind es rund 2.600 €. Ein Auto im Export bringt so viel Marge wie 4 Autos in China.
Auch deshalb hat BYD sein Exportziel für 2026 von 1,3 auf 1,5 Mio. Fahrzeuge angehoben. Im Februar kamen erstmals über 50% von BYDs Absatz aus dem Export.
Die Entscheidung ist nachvollziehbar: BYD geht einfach dahin, wo das Geld ist.
Und sie belassen es nicht beim Export. BYD zieht gerade ein globales Produktionsnetzwerk hoch. Thailand und Usbekistan produzieren bereits. In Brasilien, Indonesien und der Türkei wird gebaut. Und dann ist da noch Europa: Das Werk im ungarischen Szeged hat die Pilotproduktion bereits gestartet. Ab dem 2. Quartal 2026 soll dort Massenproduktion laufen. Kapazität: bis zu 300.000 Fahrzeuge pro Jahr. Gefertigt in der EU. Damit fallen die 27% Strafzölle weg.
Das Muster ist nicht neu. In den 80ern hat Toyota dasselbe gemacht. Der japanische Heimatmarkt stand unter Druck. Toyota hat die USA mit günstigen Exporten geflutet. Dann lokale Fabriken gebaut. Und ist nie wieder gegangen. Aus dem Exporteur wurde der größte Autohersteller der Welt.
BYD folgt demselben Playbook. Nur schneller. China Speed eben. Toyota hat dafür über 10 Jahre gebraucht.
Mein Take
Beide Erzählungen über BYD sind falsch.
"BYD ist unaufhaltsam" ignoriert: Gewinn -19%. Bereinigt sogar -50%. Absturz auf Platz 4 in China. Steigende Abhängigkeit von Subventionen.
"BYD stürzt ab" ignoriert: +150% Export. Größter E-Auto-Hersteller der Welt. Fabriken auf 3 Kontinenten. Marktführer in Thailand, Singapur und Brasilien.
Um zu verstehen was hier passiert, muss man Chinas Industrie-Playbook kennen. China hat dasselbe bei Solar gemacht. Bei Batterien. Bei Stahl.
Heute kommen über 80% aller Solarmodule aus China. Die europäische Solarindustrie ist praktisch verschwunden. Und das hat keine 10 Jahre gedauert. Bei E-Autos läuft es genauso:
Massiv Geld in eine Industrie pumpen. Hunderte Unternehmen entstehen
Brutaler Binnenwettbewerb. Zu viele Player, zu wenig Marge. Preiskampf bis aufs Blut
Subventionen zurückfahren. Survival of the fittest. Die Schwachen sterben
Die Überlebenden sind global unschlagbar. Weil sie den härtesten Wettbewerb der Welt überlebt haben. Mit den niedrigsten Kosten. Den effizientesten Prozessen
Genau das sehen wir gerade bei E-Autos. Rund 50 E-Auto Hersteller kämpfen in China um Marktanteile. Nur eine Handvoll davon ist profitabel. Jetzt werden die Subventionen gekürzt. Und der Preiskampf eskaliert.
Genau das müssen wir verstehen. BYD stürzt nicht ab. BYD durchläuft genau die Phase, für die das chinesische System es designt hat.
Demnächst rollen die ersten BYDs aus der Fabrik in Ungarn. Ohne Zölle. Mit europäischer Fertigung. BYD ist jetzt kein Importproblem mehr. Sondern ein lokaler Mitbewerber.
Wer also fragt ob BYD durchmarschiert oder abstürzt, stellt die falsche Frage. BYD transformiert sich. Vom lokalen Champion zum globalen Megakonzern. Nicht der Aufstieg war die Bedrohung für europäische Autobauer. Sondern das, was jetzt auf die Weltmärkte zukommt.
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