In eigener Sache
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Herzlich willkommen zur 111. Ausgabe von Der Autopreneur.
In den letzten Wochen haben wir uns hier die Jahreszahlen von Mercedes und VW angeschaut. Heute ist BMW dran. Und vorweg: Das ist mit Abstand die langweiligste Story.
Kein Drama. Keine radikalen Kurswechsel. Keine schockierenden Zahlen.
Aber genau das macht die Geschichte interessant.
2025 war für die deutsche Autoindustrie das schlechteste Jahr seit 2020. Der Nettogewinn der 3 großen Autobauer ist eingebrochen:
Mercedes: -49%
VW: -44%
Und dann ist da BMW mit -3%.
Das sieht aus, als hätte BMW gewonnen. Hat BMW aber nicht.
BMW ist 2025 nur besser durchgekommen als die anderen. Und die spannendere Frage ist: Warum?
Heute schauen wir uns an, warum BMWs Zahlen besser aussehen, als sie sind. Was BMW 2025 wirklich geholfen hat. Und warum ausgerechnet BMW 2026 das größere Risiko eingeht.

Die wichtigsten Zahlen von BMW in 2025
Umsatz: 133,5 Mrd. Euro (-6,3%)
Nettogewinn: 7,5 Mrd. Euro (-3%)
EBIT-Marge Autosegment: 5,3%
Absatz: 2,46 Mio. Fahrzeuge (+0,5%)
E-Autos: 642.000 Einheiten (+8,3%), davon 442.000 rein elektrisch
Absatz nach Region:
Europa: +7,3%
USA: +5,0%
China: -12,5%

Im Gegensatz zu VW und Mercedes hat BMW 2025 die Kosten gesenkt. Und mehr Autos verkauft.
Was die Zahlen nicht zeigen
2025 sieht besser aus als es ist. Der Grund liegt in 2024.
Auch 2024 sind die Nettogewinne eingebrochen:
Mercedes: -28%
VW: -31%
BMW: -37%
BMW hat 2024 am stärksten verloren. Der Grund: Ein fehlerhaftes Bremssystem von Continental. BMW musste 1,5 Mio. Fahrzeuge zurückrufen. Allein im Q3 hat das rund 1 Mrd. Euro gekostet.
Das verzerrt den Vergleich. BMW verliert 2025 weniger, weil sie 2024 tiefer gefallen sind.

Also: Steht BMW strukturell wirklich besser da? Ja. Aber der Grund ist nicht der, den die meisten vermuten.
BMW hat 3 strukturelle Vorteile
Und die haben 2025 alle gleichzeitig gewirkt.
1. Die Plattform-Flexibilität
BMW baut Verbrenner, Hybride und E-Autos auf derselben Produktionslinie. Das klingt nach einem Detail. Ist es aber nicht.
VW und Mercedes sind einen anderen Weg gegangen. Sie produzieren getrennt. Vereinfacht gesagt: Ein Werk für Verbrenner. Und eins für E-Autos. Das ist effizienter. Aber nur wenn man die Produktionskapazitäten auch auslasten kann. Und das ist in der aktuellen Situation schwierig zu timen. Du musst genau vorhersagen, wie viele E-Autos in welcher Region gekauft werden. Und die Produktion dann synchron dazu hochfahren.
Und genau diesen Plan hat Trump 2025 durcheinander gebracht. Er hat die Spielregeln verändert. Und damit die Investitionen der meisten Autobauer über Nacht entwertet.
BMW konnte das besser umgehen. Wenn weniger E-Autos bestellt werden, bauen sie einfach mehr Verbrenner auf demselben Band.
2. BMW war schon vor Trump America-first
BMW ist der größte Autoexporteur der USA. Noch vor Ford. Das BMW-Werk in Spartanburg hat 11.000 Mitarbeiter. Sie bauen 1.500 Autos am Tag. Das Werk läuft seit 1994. Dort werden die großen SUVs gebaut. Vom X3 bis zum X7.
BMW war also America first, lange bevor Donald Trump kam. 2025 kamen die hohen Zölle auf Autoimporte. Trump hat gesagt: Autobauer müssen in Amerika produzieren. BMW war schon da. Seit 30 Jahren.
3. Kostenmanagement
BMW hat 2025 2,5 Mrd. € eingespart. Ohne die großen Schlagzeilen. Ohne Massenentlassungen oder Debatten über Werkschließungen.
Geringere Entwicklungskosten, niedrigere Materialkosten und schlankere Verwaltung. Das ist die unspektakulärste und gleichzeitig wichtigste Zahl.
Diese 3 Vorteile haben BMW 2025 geschützt. Alle gleichzeitig, zur richtigen Zeit.
Aber war das eine bewusste Strategie?
BMW gilt ja als flexibel, technologieoffen, unideologisch. CEO Oliver Zipse hat "Power of Choice" zum Mantra gemacht. Alle Antriebe, alle Märkte. Klingt mutig. Nach Überzeugung. Aber BMW hat genauso wenig gewusst wie alle anderen, wohin sich der Markt entwickelt. Sie haben es nur besser verkauft.
Und so technologieoffen wie es klingt, ist BMW gar nicht. Die Zukunftsstrategie setzt nämlich voll auf E-Autos. Und sie hat einen Namen.
Die neue Klasse
1959 stand BMW kurz vor der Pleite. Daimler wollte den Konzern übernehmen. Herbert Quandt hat BMW mit einer privaten Investition gerettet. Seine Familie kontrolliert BMW bis heute. 2 Jahre später wurde der BMW 1500 auf der IAA vorgestellt. Das 1. Modell der Neuen Klasse. Und dieses Auto war das Fundament für alles, was BMW heute ist.
65 Jahre später heißt die Antwort wieder: Neue Klasse. Nur diesmal elektrisch.
Die Neue Klasse ist eine reine E-Auto-Plattform. Aber während Mercedes zwischenzeitlich komplett auf Elektro umsteigen wollte, setzt BMW jetzt auf eine parallele Strategie.
Die alte flexible Verbrenner-Architektur läuft noch 8-10 Jahre weiter.
Trotzdem sollen bis 2030 mehr als 50% aller verkauften BMW rein elektrisch sein. Die ersten Modelle auf der neuen Plattform: der iX3 und ein neuer i3.
Aber genau das ist der Punkt. BMW hat 2025 davon profitiert, dass alles auf einem Band lief. Alle Antriebe. Maximale Flexibilität. Das ist jetzt vorbei. Die Werke für die Neue Klasse bauen nur noch E-Autos. Damit steht BMW vor demselben Problem wie VW und Mercedes. Zwei parallele Welten, doppelte Infrastruktur.
Und BMW verknüpft seine Zukunft mit dieser Plattform. Wenn die Neue Klasse nicht funktioniert, hat BMW ein Problem. Egal wie gut die Verbrenner noch laufen.
Wo BMW wirklich steht
Die Disruption der Autoindustrie erreicht BMW genauso wie alle anderen. Software, KI, autonomes Fahren, Kostendruck durch neue Wettbewerber. Da hat BMW keinen strukturellen Vorteil gegenüber Mercedes oder VW.
Im Q4 2025 lag die EBIT-Marge bei nur 3,7%. BMWs eigene Prognose für 2026: 4-6%.
In China kämpfen sie mit denselben Problemen wie alle anderen. In den letzten 2 Jahren sind fast 200.000 Einheiten Jahresvolumen weggefallen. Die Kurve zeigt weiter nach unten.
Und der USA-Vorteil? Mehr als die Hälfte der in Spartanburg produzierten BMW gehen in den Export. Sollte der Handelskrieg eskalieren, wird aus dem Vorteil ein Risiko.
Ab Mai übernimmt Milan Nedeljkovic als neuer CEO. 33 Jahre im Konzern. Er wird BMW nicht neu erfinden. Er soll liefern, was sein Vorgänger versprochen hat.
Mein Take
Mercedes hat in 18 Monaten 4x den Kurs gewechselt. Bei VW bricht das Geschäftsmodell von ganz Deutschland in sich zusammen. Und BMW? Die machen einfach weiter als sei nichts gewesen.
Das ist langweilig. Aber es beschreibt BMW als Unternehmen ziemlich gut.
Trotzdem: Das Narrativ "BMW hat die bessere Strategie" stimmt so nicht.
Das war keine Weitsicht. Es war eine Wette. Und zwar die risikoaversere. VW und Mercedes haben auf 2 Plattformen gesetzt. Eine Plattform für Verbrenner, eine für E-Autos. BMW auf eine.
Das war nicht unbedingt die klügere Wette. Aber die Welt hat sich so entwickelt, dass Optionalität belohnt wurde.
Flexibilität ist eine Krisenstrategie. Sie funktioniert, solange die Welt volatil bleibt. Solange niemand weiß, welche Technologie sich wo und wann durchsetzt. Solange politische Entscheidungen über Nacht alles verändern. In dieser Welt ist Optionalität keine Schwäche. Sondern eine Fähigkeit.
Wichtig zu verstehen: BMWs Weg war nicht unbedingt billiger. Wenn eine Plattform Verbrenner, Hybride und E-Autos gleichzeitig können muss, bedeutet das enorme Komplexität. Und damit Kosten.
Warum BMW das konnte? Bei VW bestimmt die Politik mit. Bei Mercedes sitzen Großaktionäre aus China und Kuwait am Tisch. Hinter BMW steht die Familie Quandt. Und hält die Hälfte der Anteile. Seit über 60 Jahren. Unter den deutschen Autobauer kann BMW am ehesten langfristig planen. In Generationen denken. DAS ist der eigentliche strukturelle Vorteil von BMW.
2025 war ein Jahr, in dem der beste Plan war: Keinen Plan zu haben. BMW hat davon profitiert. Die Neue Klasse ist jetzt das Gegenteil. Eine klare Wette. Und klare Wetten kann man verlieren.
PPS: Ich war zu Gast bei Deutsche Welle. Thema: Der Absturz von Mercedes: Hier geht's zum Video. Außerdem: Mein Gastbeitrag in den BNN über Deutschlands Weg zum Discount-Automarkt: Hier lesen.
📊 Aktien-Performance
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Hier die Wochenperformance der wichtigsten Automotive-Werte:

Woche Δ: Kursveränderung der letzten Woche
YTD Δ: Kursänderung seit Jahresbeginn
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Podcast & YouTube
Neulich hat mir jemand gesagt: "Ich hab damals in deinen Podcast reingehört, KI-Stimme erkannt und nie wieder eingeschaltet." Fair enough. Die allerersten Folgen waren KI-vertont. Das war damals ein Test.
Seitdem hat sich einiges getan: Ich spreche jede Folge selbst ein. Jeden Dienstag. Gleiches Thema wie im Newsletter, aber mit mehr Kontext und Einordnung. Und seit Anfang des Jahres gibt es das Ganze auch als Video auf YouTube.
Falls du mich damals abgeschrieben hast: Gib mir nochmal eine Chance.
Das war’s für heute:

Bis zum nächsten Mal,
Philipp Raasch
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